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die dinge mit den augen des blinden sehers

Archiv für die Kategorie ‘Religion’

Die Ehre Gottes aus der Natur

Verfasst von theiresias am 16. September 2009

Mit diesem Titel eines Liedes nach Texten Christian Fürchtegott Gellerts von Ludwig van Beethoven ließe sich das am 20. September um 18:00 Uhr im Ökumenischen Gemeindezentrum Bergwald stattfindende Benefizkonzert wohl am trefflichsten überschreiben.

Matthias Widmaier (Tenor) und sein Bruder Martin Widmaier (Professor für Klavier) werden ein facettenreiches Programm aus geistlichen und weltlichen Liedern von Haydn, Beethoven und Schubert präsentieren. Zudem wird Martin Widmaier zwei Klavierstücke zu Gehör bringen, die – in Anlehnung an ein rennomiertes Festival – mit Fug und Recht als Raritäten der Klaviermusik bezeichnet werden dürfen. So führen Schuberts Impromptus aus dem Nachlass noch immer ein Schattendasein. Erklingen wird das zweite in Es-Dur. Mit dem zweiten Klavierstück greift Martin Widmaier das bereits vorher vorgetragene Schubertlied Du bist die Ruh erneut auf und lässt es in einer Transkription für Klavier (solo) von Franz Liszt erneut erklingen.

Benefizkonzert
zugunsten neuer Musikinstrumente für den Kindergarten Schalom, Bergwald
Sonntag, 20. September 2009, 18:00 Uhr
Im Ökumenischen Gemeindezentrum Karlsruhe-Bergwald

Matthias Widmaier, Tenor
Martin Widmaier, am neun Bechstein-Klavier des Gemeindezentrums

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Musikwarnung: Hochzeit in Moll

Verfasst von theiresias am 12. August 2009

Frage: Wie viele der Ehen, deren kirchliche Schließung Theiresias musisch betreute, wurden bereits wieder geschieden? Erhebungen konnte Theiresias bis jetzt nicht anstellen, die Frage scheint ihm jedoch berechtigt. Eine Musikerin bzw. ein Musiker muss sich unbedingt fragen, ob das Erzeugnis seines Handwerks denn wirklich erfreut, wie ja bei solchen Anlässen beabsichtigt.
Zumal die musikalische Gestaltung einer kirlichen Trauung wiederum den Kirchenmusiker, vermutlich auch die Kirchenmusikerin, überhaupt nicht erfreut. Deutsche Paare sind was die Musikauswahl bei Ihrer Trauung angeht stereotyp fixiert. Wenn es ganz schlimm kommt, sind beide Hochzeitsmärsche (Wagner und Mendelssohn) zu spielen. Gesungen werden in der Regel folgende Lieder: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, Großer Klotz wir hobeln Dich, Herr Deine Liebe ist wie Gras und Mäusespeck und Danke für diesen guten Morgen (in diversen Umdichtungen, die dann schonmal bis zu sieben Strophen umfassen). Lieder, die nicht generell schrecklich oder schön sind, deren Text aber immerhin etwas schönes freudiges beinhaltet, so dass die Melodien recht schmissig dahinzuspielen sind. Es ist ihnen durchaus nicht abzusprechen, dass sie sämtlichst die Qualitäten gut gearbeiteter Gassenhauer aufweisen. Dies wissend, hat die geneigte Kirchenmusikerin bzw. der geneigte Kirchenmusiker den status quo zu akzeptieren.

Nun erfreuen sich aber seit gefühlten Ewigkeiten auch die Gesänge der Bruderschaft in Taizé ungebremster Beliebtheit. Einfach gehaltene 4stimmige Gesänge, deren Harmonik mal abgesehen von einigen effektvollen Doppeldominanten gepaart mit so manchen Vorhalten und gewürzt mit schwülstigen Quartsechstakkorden grundständige Kadenzmuster nicht überwinden. Viele dieser Gesänge wirken meditativ bis einschläfernd (sicherlich eine Geschmacksfrage), was dadurch bestärkt wird, dass sie so lange zu wiederholen sind, bis sie sich den Singenden in die Synapsen eingebrannt haben. Doch auch diesen Gesängen will Theiresias ihren effektvolle Schnulzigkeit zugestehen, ja sie sind dafür sogar zu loben. Die Musiker in Taizé sind gewissermassen the kings of Spiritual Easy Listening in Europe. Nun gehört ja Theiresias zu den RadiohörerInnen, „die Easy Listening nicht auf die leichte Schulter nehmen“. Folglich lauscht er, wann immer möglich, Götz Alsmanns allmontäglicher Radiosendung (20:05 Uhr, WDR 4, Go Götz Go). Somit ist es für ihn natürlich eine Binsenweisheit, dass Moll die besser Easy-Listening-Tonart ist. Überrascht es da, dass etliche der von den Kings of Spiritual Easy Listening verfassten Songs, sich dieses Modus und seiner reichhaltigen Möglichkeiten bedienen? Man sollte es diesen Meistern nicht vorwerfen.

Ist aber nun Moll die geeignete Klangfarbe für eine Kirchliche Trauung? Was bedeutet dies für die Ehe. Langeweile schon vor dem verflixten siebten Jahr? Scheidung durch musisch intendierte Traurigkeit vorausbestimmt?

Verstehen Sie Theiresias nicht falsch: Natürlich darf es auch in einem Traugottesdienst ruhige und meditative Momente geben, die durchaus mit den Gesängen aus Taizé gestaltet werden können.
Solange jedoch die Frage ungeklärt ist, welchen Einfluss die Kirchenmusik auf die Beständigkeit der Ehe hat, rate ich von Taizé am laufenden Meter ab. Es ist nicht auszuschließen, dass diese Art der musikalischen Gestaltung zu nachhaltigen, bleibenden, trennenden und somit teuren Umständen führen kann.

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Hörspieltage 2008 9: Theiresias muss auch fortan selber beten

Verfasst von theiresias am 12. November 2008

Und er weiß nicht, ob da jetzt was schlimm dran ist.

Der Gebetomat

Theiresias näherte sich dieser seltsamen Kiste, die während der Hörspieltage im Foyer des ZKM weilte, und fragte sich, was dieses Ding, das so ein wenig nach mobilem Passbildautomaten ausschaut, wohl genau macht? Aus dem Inneren schallte Musik, die extrem nach Porno klang, was Theiresias beurteilen kann, so dass Theiresias auch auf den Gedanken kam, ob es nicht ein mobiles Pornokino sein könnte, was Theiresias nicht beurteilen kann. Derweil Theiresias in seinem Geist nach etwaigen Religionsfetischen suchte, jedoch keine fand, verschwand eine junge Dame hinter dem Vorhang. Rein akustisch änderte sich nichts und kurz darauf verließ sie den Gebetomaten wieder. Da müsse man 50 Cent einwerfen, teilte sie mit, sie habe aber kein Kleingeld. Ob sie helfen könne, fragte sie, vermutlich durch den weißen Stock veranlasst. Nein, er käme allein zurecht, antwortete in einem Anfall von Hybris Theiresias, nicht ahnend, wie falsch er liegen sollte. Er verschwand hinter dem Vorhang und nahm auf einem kleinen Metall/Plastikhöckerchen Platz. Vor ihm ein Touchscreen auf dem zu lesen war, man müsse hier 50 Cent einwerfen und könne dann aus einer Unmenge (genaue Zahl ist Theiresias entfallen) von Gebeten auswählen, die man sich dann fünf Minuten anhören könne. Um danach weiter zu hören müsse man, im aktuellen Fall also Theiresias, weitere fünfzig Cent einwerfen. Über dem Monitor waren zwei verhältnismäßig riesige Lautsprecher montiert, aus denen auch die Pornomusik kam. Sollte der Gebetomat also floppen, könnte man ihn ohne weiteres in ein mobiles Pornokino umwandeln. Das Problem wäre allerdings, dass die Geräusche aus dem Pornomaten ja ungehindert auch außerhalb zu hören sind. Also so ganz privat, wie in der Zeitungsbeilage zu den Hörspieltagen behauptet, wäre die Sache wohl nicht. Theiresias suchte nun nach dem Geldschlitz, fand ihn aber nicht. Er fand eine Vorrichtung mit Hebel, rechts des Bildschirms, worin man offensichtlich die 50 Cent versenken sollte, war aber beim besten Willen nicht in der Lage, genau dies zu tun. Vollkommen unaccesable dieser Gebetskasten, dachte der blinde Seher. Touchscreen und unverständlicher Geldschlitz; diese moderne Kunst ist sehbehindertenfeindlich, beschloss er. Trotzdem fummelte er weiter an dem Ding herum und bereute nun das erste Mal, die Hilfe der freundlichen Dame abgelehnt zu haben. Auf der anderen Seite, wie hätte das funktionieren sollen? Der Schlitz rechts des Touchscreens, der Vorhang links. Hätte man die Kabine nacheinander betreten, wäre da nicht das künstlerische Erlebniskonzept zerstört worden? Hätte Theiresias Platz genommen und sie hätte sich über ihn drüber gelehnt; möglich ja, aber wie hätte das ausgesehen, dazu bei der Musik? Wäre es bei so einem spirituellen Ausstellungsstück nicht gar Blasphemie gewesen?
Und überhaupt, warum soll man sich Gebete anhören? Nein, Theiresias wird selber weiter beten und insbesondere im Falle der Fürbitten, bei denen alle zum Mitmachen aufgefordert sind, zu Höchstformen auflaufen. Unvergessen seine Fürbitten für schwule Priester, grüne Atomkraftbefürworter und die oversexte but underfuckte Jugend.

An der ZKM-Bar angelangt, bestellte sich Theiresias frustriert sein Sehergedeck (Apfelschorle und Latte macchiato). Neben ihm die junge Frau. Wie es gewesen sei? Theiresias erklärt ihr sein Scheitern. Sie bedauert aufrichtig und blickt ihn an. Er stellt fest, dass 15 Prozent links und Amaurose rechts für einen gescheiten nonverbalen Flirt entschieden zu wenig sind und überlegt ihr noch mal schnell den weißen Stock zu zeigen, hält das dann aber für zu penetrant und beschließt stattdessen, sich selbst demnächst in seine kuriosen Fürbitten  einzuschließen.

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Fernsehtipp: „Die Hardliner des Herrn“

Verfasst von theiresias am 23. März 2008

Fundamentalisten = Islamisten und zwar nichts anderes. Zu diesem Trugbild gerät wohl mancher gern. Dieser Vorwurf ist nicht nur Swachsinn, weil hier die Grenzen zwischen Islam und radikalen Derivaten unterschiedlicher Ausprägung zertrampelt werden, insbesondere von Angehörigen anderer Religionen ist sie äußerst unfair, da diese gerne das Kehren vor der eigenen Haustür vergessen. Religiöse Fundamentalisten gehören in Amerika zum pluralen religiösen Leben. Auch in Deutschland gewinnen die Fundamentalisten immer mehr an Boden. Dabei nutzen sie u.a. Foren, die von den beiden großen christlichen Kirchen geboten werden, z.b. den ökumenischen Kirchentag 2006 in Hannover. Sehr beliebt sind bei den Hartlinern auch Kinderwochenenden.

Ein bereits in die Jahre gekommenr Film der ARD zeigt heute Abend, welcher Mittel sich christlich fundamentale  Gruppen bedienen und was die Fragen und Motive sind, die sie antreiben. Prädikat: Sehenswert.

Sendetermin: 23. März 2008, 20:15
Sender: EinsExtra

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Dostojewski, das Internet, der Brockhaus, big brother und ich

Verfasst von theiresias am 2. November 2007

Momentan lese bzw. höre ich die Brüder Karamasow. Das Sie mir jetzt nicht in den nächsten Laden rennen, um das Hörbuch zu holen. Nein es kommt aus der Blindenhörbücherei und da kommen nur Theiresias Schwestern und Brüder im Visuellen rein.

Nun taucht dort ein sogenannter Staritz auf eine ominöse Gattung Mönch, die der Erzähler zwar beschreibt, aber ich hätte es gerne doch noch mal anders gelesen. Ich versuchte qualifizierte Informationen aus den Untiefen des Netzes zu filtern und dabei durfte ich erleben, wie Suchmaschinen an Dostojewski scheitern.

Ich bemühte die Suchmaschinen www.onlinks.de, www.altavista.de, www.metager.de und natürlich elgooG. Mit “Staritz” kam ich überhaupt nicht weiter, also versuchte ich “Startzentum”. elgooG lieferte exakt zwei Ergebnisse. Die meisten Metager. Immerhin erfuhr ich jetzt, dass es Staretz heißt, was schon mal meine Anfangsprobleme erklärte. Doch wirklich brauchbare Informationen spuckte die veränderte Schreibweise auch nicht aus. Ein sehr kurzer schwammiger Wikieintrag und eine Seite aus einem Blog der orthodoxen Gemeinde in Hamburg. Doch was da stand, kam mir irgendwie so bekannt vor. Kein Wunder, man hatte einfach nur bei Dostojewski abgeschrieben.
Ach übrigens: Der Brockhaus multimedial 2003 half auch nicht, won Wikipedia wollen wir mal lieber nicht reden.

Dann mein Patentrezept: Man darf vieles nicht wissen, wenn man weiß, wo man es erfahren kann. Ich rief also meinen Bruder an. Der hat einen 24bändigen Brockhaus. Der half dann. Er las mir den entsprechenden Lexikoneintrag einfach vor.

Das kann ich hier natürlich jetzt nicht wiedergeben. Da müsen Sie selbst Bekannte oder Verwandte haben, die ein gutes Lexikon besitzen.

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