26. Februar 2012, Ev. Kirche Hohenwettersbach
Beginn: 18:00 Uhr
Musikalisches Vorprogramm ab 17:45 Uhr
Weniger ist mehr. Musiker aller Epochen und Stile treibt bis heute diese Frage um. Bis ins 20. Jahrhundert beschränkten sich Komponisten immer selbst, d. h. jedes Werk folgte – zumindest im Kern – einer in seiner jeweiligen Zeit konzeptionellen Grundidee. So ist beispielsweise die Fuge (nicht erst seit Bach) eine Form, bei der aus einer überschaubaren Anzahl von Tönen und einer überschaubaren Anzahl von Regeln, wie diese Töne zu verwenden sind, eine hochkomplexe Musik entstehen kann. Im zwanzigsten Jahrhundert entstanden Musikformen wie die Minimal Music, die mit noch weniger als einer überschaubaren Anzahl von Tönen arbeiteten.
Gerade die Frühformen des Jazz wie Ragtime, Blues und Swing zeugen davon, wie mit wenigen musikalischen Mitteln facettenreiche Musik entstehen kann. Aus einer simplen Basslinie oder einer kleinen Melodie entsteht so ein mehrminütiges Musikstück. So auch in dem von Paul Desmond ursprünglich für das Dave-Brubeck-Quartett erdachten Stück Take Five, das inzwischen als Quasi-Jazzstandard gilt. Es besteht aus zwei Melodieteilen, von denen der erste durch den Spieler des Melodieinstruments im Verlauf des Stückes improvisatorisch verändert werden muss. Mit dieser Nummer in einer Orgelversion soll der Jazzpel-Gottesdienst am 26. Februar eröffnet werden. Jede der oben erwähnten Urformen des Jazz wird im weiteren Verlauf des Gottesdienstes mindestens einmal anklingen. Auf dem Programm stehen dabei Klavier-Kompositionen des „King of Ragtime Writers“ Scott Joplin (Reflection Rag), aber auch Jazz-Nummern, die originär für die Orgel geschrieben wurden (u. a. Ralf Bölting: A Rag).
Im Mittelpunkt des musikalischen Geschehens steht ein Werk, das wie vielleicht kein zweites in der Musikgeschichte, die Frage aufwirft, ab wann nehmen wir Musik als Musik wahr? – John Cage: Vier Minuten dreiunddreißig.
Wie gewohnt, gibt es auch diesmal wieder neue Lieder zu entdecken, aber auch ein „altes“ wieder zu entdecken. So bietet das Evangelische Gesangbuch seit vielen Jahren die Möglichkeit, das Vater unser im Kalypso-Rhythmus zu beten. Auch das wollen wir während des kommenden JAZZPEL wagen.
Im Vorprogramm und während des Gottesdienstes erklingen im Einzelnen folgende Stücke:
Michael Schütz (* 1963):
- Step by Step
- Questions, Interpretation durch den Komponisten auf youtube
- The Dreamer, Interpretation durch den Komponisten auf youtube
- Relax (Blues), Interpretation durch den Komponisten auf youtube
Paul Desmond (1924 – 1977): Take five (Bearbeitung Haake)
John Cage (1912 – 1992): 4´33´´
Johannes Matthias Michel (* 1962): Impromtu (Swing)
Scott Joplin (ca. 1868 – 1917): Reflection Rag
Ralf Bölting: (* 1953): A Rag


