Lieber Nachbarsmensch, mir unbekannt,
folgende Situation kennen Sie natürlich nicht. Sie kommen nach Hause und vergessen die Post mit hochzunehmen. Das brauchen Sie ja auch nicht kennen, das macht vermutlich Ihre Alte für Sie. Ich befand mich nun aber vorhin, 23:25 Uhr in dieser misslichen Lage und dachte mir: “Es geht nicht an, dass Du 1000 Mal am Tag Deine Twitter-Timeline durchsiehst und dann nicht schaust, was im Briefkasten liegt.” Mein Weg nach unten führte mich latent an der Küche vorbei und ich entsann mich des fast vollen Müllbeutels, der mich zu meinem nächsten Gedanken führte: “Wenn Du eh runtergehst, nimm ihn doch gleich mit.” “Gesägt, getun, getan”, um mit Onkel Hotte zu sprechen. Nachdem ich das Haus verlassen hatte, schlich ich feengleich zu den Entsorgungsbehältern, lüftete den Deckel, lies das Entsorgungsgut behutsam hineingleiten und senkte den Deckel sanft hinab. Ein leises plopp. Während ich darauf von Dannen schlich, vernahm ich Ihre dialektal stark gefärbten Worte, die ob der Nichtbeherrschung des Badischen seitens meiner geneigten LeserInnen hier im hochdeutschen, und da dadurch stark verfremdet, in indirekter Rede wieder gegeben werden: Was seien das für Menschen und was trieben sie den ganzen Tag, dass sie Nachts um halb Zwölf den Müll runterbrächten? Diese Frage ist grammatikalisch schlecht wiedergegeben. Aber, lieber werter Herr, ich bemühe mich sehr, Ihrer Sprechhaltung gerecht zu werden.
Ich hoffe die Lektüre des Theiresiasweb, kann Ihnen den Menschen näher bringen, der da zum Mülleimer schlich, ohne Sie werter Herr stören zu wollen. Wenn Sie dererlei allerdings derart anficht, suchen Sie bitte eine Therapeutin oder einen Therapeuten auf, denn ich gelobe keine Besserung.
Von Blockwart zu Blockwart grüßt so grimmig wie Sie grunzten Ihr
Theiresias

