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die dinge mit den augen des blinden sehers

Archiv für die Kategorie ‘Offene Briefe zum Selbstabholen’

Ausschließliche Bedienung des Mainstreams ist keine Grundversorgung!

Verfasst von theiresias am 7. April 2008

Werte WDR4-Verantwortliche,

ich wurde u. a. durch Ihr Programm musikalisch sozialisiert. Wunderlicher Weise habe ich dadurch keinen bleibenden Schaden davon getragen. Geblieben ist die Liebe zum Schlager und zum Easy Listening, das ich keinesfalls auf die leichte Schulter nehme. Daher bin ich regelmäßiger Hörer Ihrer Sendung Go Götz Go. Sehr zu loben ist die Internationalität dieser Sendung. Spielen Sie doch nicht nur den üblichen weichgespülten Mainstream, den Sie zum Großteil vor 20 Uhr von sich geben, sondern wagen diverse Blicke über den musikalischen Tellerrand. Natürlich liegt dies an der von Herrn Alsmann getroffenen Auswahl. Sehr erfreut war ich auch, als ich die Sendung nun endlich in ansprechender Klangqualität (MP3 128 kb/s 44.1 Hz Stereo) über das Internet auf meiner Stereoanlage hören konnte. Rügen muss ich folgendes:

Screanshot der WDR4-Internetseite

Ein Blick auf Ihre Internetseite, auf der Sie großspurig ankündigen, die Titel und Interpreten der gesendeten Musikstücke einsehen zu können, straft sie einer schlampigen redaktionellen Betreuung der Sendung Go Götz Go. Denn gerade die unbekannten Titel, die evtl. teilweise nicht mehr ohne weiteres im Handel zu erwerben sind, kann man bei Ihnen nicht recherchieren. Wäre es in diesem Fall, quasi jenseits des Mainstreams, nicht besonders wichtig? Zählt nicht gerade diese Sendung zur Sicherung der kulturellen Vielfalt und ist damit Grundversorgung im eigentlichen Sinne? Sollte ihr deshalb nicht die gleiche Sorgfalt, Pflege und Betreuung zugute kommen, wie Ihren anderen Sendeformaten, die qualitativ zum Großteil hinter Alsmanns Format zurückbleiben?

Äußerst verwirrt und hin- und hergetrieben zwischen Ihrer Wirklichkeit und Ihrem Anspruch Hochachtungsvoll Theiresias

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Einladung

Verfasst von theiresias am 1. März 2008

Happy Birthday, werte Prinzessin, heißt es morgen in der Kirche „Zum Guten Hirten“ in Karlsruhe Rintheim. Keine Angst ich lebe hier jetzt keine reaktionären Wirrungen aller Martin Mosebach aus und fordere die Rückkehr zu alten liturgischen Formen und die Wiederauferstehung des Adels. Ich rede von keinem politischen, sondern von musikalischem Adel. Die Königin der Instrumente ist die Orgel, weil sie mit ihren vielen Registern und Spielmöglichkeiten ein Klangspektrum erstrahlen lässt, dass kaum ein anderes Instrument in dieser Vielfalt bietet.

Doch wieso schreibe ich von einer Prinzessin? Ja darf man denn angesichts eines zweiten Geburtstag überhaupt schon von einer Königin reden?

Und überhaupt, das von der Firma Vier im Jahr 2006 erbaute Instrument in Rintheim ist eher klein und bescheiden, erzielt in diesem Kirchenraum aber eine große Wirkung.

Das behaupte ich nicht nur, sondern möchte zusammen mit zwei Kolleginnen und einem Kollegen morgen (02. März 2008) um 18:00 Uhr den Beweis antreten.

In einer kleinen Abendmusik stellen wir die Möglichkeiten des Instrumentes vor. Dabei wird es sowohl solistisch mit barocker und romantischer Orgelmusik, als auch als Begleitinstrument für Flöte und Singkreis zu hören sein.

 

Vier-Orgel in Rintheim

Ich werde kleine romantische Kompositionen von Edward Elgar spielen, die in der Bundesrepublik nahezu unbekannt sein dürften. Unter dem Titel „Vesper Voluntaries“ legte Elgar neun kleine Musiken für die Abendmesse vor, von denen ich sieben spielen werde. Im Stil sind sie höchst unterschiedlich. Eine große breite romantische Introduktion, kleine Humoresken, leicht dahin säuselnde Motive und ruppige Bässe, nicht zu vergessen die im Sechsachteltakt dahin schwelgende Schlussnummer. Das interessante an den Stücken ist, dass sie u.a auch für kleinere Instrumente geschrieben wurden. Elgar machte gewissermaßen aus der Not eine Tugend. Er selber verfügte über ein relativ kleines Instrument, was ihn letztendlich dazu brachte, das Orgelspiel aufzugeben. Die Vesper Voluntaries schrieb er daher so, dass sie sowohl auf kleinen Instrumenten (sogar mit einem Manual und ohne Pedal!), als auch auf großen Instrumenten vorgetragen werden können. Bis heute ist mir keine derart raffinierte Notation unter die Augen gekommen (was in diesem Fall nicht an meinen Augen liegen dürfte). Für den Organisten bieten die Stücke aber auch viele Freiräume. Welche der „Vorschläge“ Elgars übernehme ich? Welche Motive arbeite ich an welcher Stelle durch Verlagerung auf das zweite Manual besonders heraus? Das sind nur einige der Fragen, die die Komposition mit sich bringt. Mein erster Vorschlag am Sonntagabend. Zu dieser Abendmusik möchte ich Sie, werte Leserinnen und Leser, die Sie in Karlsruhe oder Umgebung wohnen, recht herzlich einladen. Der Eintritt ist übrigens frei. Die Kirche „Zum Guten Hirten“ finden Sie in der Rintheimer Hauptstraße.

Wer die Vesper Voluntaries gerne in Gänze hören möchte, der sei auf den Gründonnerstag verwiesen. An diesem werde ich alle neun Stücke während des Gottesdienstes an „meiner“ Orgel in Hohenwettersbach spielen. Dieses Instrument ist einmanualig, ich habe mir aber schon einiges überlegt, um Elgars Kompositionen interessant klingen zu lassen. Denn wozu hat der Mensch zwei Füße. Weiteres zu diesem Abendgottesdienst folgt in der Karwoche …

 

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ZDF-spezials

Verfasst von theiresias am 21. September 2007

Liebes ZDF,
ist das denn nicht blöd? Da ist die Bombe doch tatsächlich nicht hochgegangen. Und Ihr habt doch extra Euer ZDF-spezial in 16:9 aufgelegt, so von wegen Terror-Kino-Feeling. Was tun ohne Bildmaterial? Da habt Ihr dann heute wieder ein Galnzbeispiel des Fernsehjournalismus geliefert.
Erstmal eine Hammer-Einstiegsfrage: Wie kurz standen wir vor einer Katastrophe? Und dann auch noch so ein inkompetenter Interviewpartner. Plaudert dieser Depp doch glatt aus, dass die Polizei alles Mögliche unternommen hat, um die Situation zu entschärfen. Haben die doch das Material, aus dem die Bombe gebaut werden sollte, gegen ein verdünntes Gemisch ausgetauscht. Aber irgendwas schlimmes muss doch passiert sein? Ah ja, Ihr hattet irgendwo aufgeschnappt, dass ein böser Terrorist einem verschlampten Bullen die Piffpaff abgenommen haben soll. Das wolltet Ihr dann noch irgendwie quasi investigativ verarbeiten. Und dann sagt dieser arrogante Presseprofi von Interviewpartner auch noch, dass so was bei einer Verfolgungsjagt schon mal passieren kann. Und das schlimme ist ja: Der Mann hat recht.
Gut, dass Ihr ein Archiv habt, das Ihr dann nach diesem ca. 4minütigen gescheiterten Gespräch zu Rate ziehen konntet. Nine Eleven sei Dank konntet Ihr uns dann ja auch ein bisschen Rumsbums und Feuer zeigen. Sieht natürlich wirklich toll aus in 16:9.
Und danach präsentiertet Ihr uns dann Euren Terrorismusexperten, oder heißt es Terrorexperte? Wie wird man das eigentlich? Ein bisschen Huntington lesen, Anzug kaufen, auf FDP frisieren und bei Euch bewerben? OK, wir melden uns dann bald.
Bis dahin macht’s besser

Ein Zuschauer weniger

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