Sie erleben jetzt ein Musikstück. das so lange dauert wie es heißt.
Sie erleben ein Stück Musik, das für einen oder beliebig viele Musiker komponiert wurde.
Im Jahr 2004 führte beispielsweise das BBC Symphony Orchestra das Stück auf.
Zu dieser Komposition existiert eine Partitur, die man beim Peters-Verlag für 9,80 € erwerben kann. Ich kann mir vorstellen, dass die ein oder der andere vielleicht danach einen Blick hineinwerfen möchte. Ich lege sie Ihnen, nachdem ich das Stück für Sie interpretiert habe, hinten aus.
Die drei Sätze, aus denen das Werk besteht, heißen: Tacet – Tacet – Tacet. Er, sie, es schweigt. Hören Sie nun von John Cage Vier Minuten Dreiunddreißig. Viel Vergnügen.
Archiv für die Kategorie ‘Musik’
Anmoderation
Geschrieben von theiresias - 26. Februar 2012
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JAZZPEL – Weniger ist mehr
Geschrieben von theiresias - 24. Februar 2012
26. Februar 2012, Ev. Kirche Hohenwettersbach
Beginn: 18:00 Uhr
Musikalisches Vorprogramm ab 17:45 Uhr
Weniger ist mehr. Musiker aller Epochen und Stile treibt bis heute diese Frage um. Bis ins 20. Jahrhundert beschränkten sich Komponisten immer selbst, d. h. jedes Werk folgte – zumindest im Kern – einer in seiner jeweiligen Zeit konzeptionellen Grundidee. So ist beispielsweise die Fuge (nicht erst seit Bach) eine Form, bei der aus einer überschaubaren Anzahl von Tönen und einer überschaubaren Anzahl von Regeln, wie diese Töne zu verwenden sind, eine hochkomplexe Musik entstehen kann. Im zwanzigsten Jahrhundert entstanden Musikformen wie die Minimal Music, die mit noch weniger als einer überschaubaren Anzahl von Tönen arbeiteten.
Gerade die Frühformen des Jazz wie Ragtime, Blues und Swing zeugen davon, wie mit wenigen musikalischen Mitteln facettenreiche Musik entstehen kann. Aus einer simplen Basslinie oder einer kleinen Melodie entsteht so ein mehrminütiges Musikstück. So auch in dem von Paul Desmond ursprünglich für das Dave-Brubeck-Quartett erdachten Stück Take Five, das inzwischen als Quasi-Jazzstandard gilt. Es besteht aus zwei Melodieteilen, von denen der erste durch den Spieler des Melodieinstruments im Verlauf des Stückes improvisatorisch verändert werden muss. Mit dieser Nummer in einer Orgelversion soll der Jazzpel-Gottesdienst am 26. Februar eröffnet werden. Jede der oben erwähnten Urformen des Jazz wird im weiteren Verlauf des Gottesdienstes mindestens einmal anklingen. Auf dem Programm stehen dabei Klavier-Kompositionen des „King of Ragtime Writers“ Scott Joplin (Reflection Rag), aber auch Jazz-Nummern, die originär für die Orgel geschrieben wurden (u. a. Ralf Bölting: A Rag).
Im Mittelpunkt des musikalischen Geschehens steht ein Werk, das wie vielleicht kein zweites in der Musikgeschichte, die Frage aufwirft, ab wann nehmen wir Musik als Musik wahr? – John Cage: Vier Minuten dreiunddreißig.
Wie gewohnt, gibt es auch diesmal wieder neue Lieder zu entdecken, aber auch ein „altes“ wieder zu entdecken. So bietet das Evangelische Gesangbuch seit vielen Jahren die Möglichkeit, das Vater unser im Kalypso-Rhythmus zu beten. Auch das wollen wir während des kommenden JAZZPEL wagen.
Im Vorprogramm und während des Gottesdienstes erklingen im Einzelnen folgende Stücke:
Michael Schütz (* 1963):
- Step by Step
- Questions, Interpretation durch den Komponisten auf youtube
- The Dreamer, Interpretation durch den Komponisten auf youtube
- Relax (Blues), Interpretation durch den Komponisten auf youtube
Paul Desmond (1924 – 1977): Take five (Bearbeitung Haake)
John Cage (1912 – 1992): 4´33´´
Johannes Matthias Michel (* 1962): Impromtu (Swing)
Scott Joplin (ca. 1868 – 1917): Reflection Rag
Ralf Bölting: (* 1953): A Rag
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Theiresias feiert Fasching I: Wirtschaftsfasching im Meeting Point
Geschrieben von theiresias - 17. Februar 2012
Quetschkommode, Schifferklavier, Ziehharmonika oder Akkordeon. Dieses Instrument hat viele Namen und sein Ruf ist nicht der beste. Zu Unrecht, wie Götz Fritsch mit einem Hörspiel bewiesen hat. Zum musikalischen Juxen gibt es gar kein günstigeres Instrument. Man hängt es sich um den Bauch, füllt damit, je nachdem wie stark man zieht, auch große Räume und die Grundbässe und Grundharmonien (Dur, Moll, Septakkord) lassen sich bequem über Knöpfchen bedienen. Damit gelingt manchmal auch noch berauschendes Unterhalten, wenn man selbst schon berauscht. Ein Glas Wein oder ein Bier gehört beim Geselligen Musizieren auch dazu.
Hierzu lädt heute der Meeting Point in Rheinstetten Mörsch. Im letzten Jahr haben wir hier in Loser Besetzung musiziert: Trompete, Posaune, Horn und was halt sonst so da war. Wer in diesem Jahr sein Instrument mitbringt, wird sich erst heute Abend offenbaren. Hervorragendes Bier läuft aus dem Hahn, ab ca. 20:00 Uhr bin ich da … natürlich mit Instrument …
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JAZZPEL – Musik, Wort Anstöße
Geschrieben von theiresias - 15. Oktober 2011

Sonntag, 16. Oktober 2011, Ev. Kirche Hohenwettersbach
zum Thema
“Was heißt glauben?”
Musikalisch nähern wir uns dieser Frage zunächst einmal beschwingt. „Step by step“ lautet der Titel eines Pop-Arrangements von Michael Schütz, der ebenfalls eine „Happy Hour“ für Orgel aufgeschrieben hat. Diese leichtfüßige Popmusik entstand über Jahre hinweg aus Formen des Jazz, aber auch des Spirituals, das in einer rein instrumentalen Fassung mit zwei Klassikern des Genres zu hören sein wird. Die Texte der Spirituals beschreiben häufig Glaubenserfahrungen (Amazing Grace) und die Sehnsucht nach dem so fern scheinenden Paradies (Deep River). Eine Sehnsucht die sich u. a. historisch durch reale Unterdrückung begründet. Der amerika-affine Organist und Komponist Hans Uwe Hielscher (38 Tournéen in 40 verschiedenen US-Staaten) hat diese Lieder in eine reine Tonsprache überführt, in der Berdrängnis und Unterdrückung in höchste musikalische Freuden aufgelöst werden. Ebenfalls während der Unterdrückung, in diesem Fall durch die Nationalsozialisten, schreibt der Theolge Dietrich Bonhoeffer um die Jahreswende 1944/45 in einen Brief ein Gedicht voller Trost und Zuversicht, die ihren Grund – trotz größter persönlicher Anfechtung – in dem Glauben an den dreieinigen Gott finden. Wir werden „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ in seiner nicht unumstrittenen Vertonung gemeinsam singen.
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Karlsruhe: Musik zur Kombilösung oder Schilder einer Baustelle
Geschrieben von theiresias - 24. September 2011
Multimedia ist eine sehr alte Sache, wie ich schon an anderer Stelle auf dieser Seite nachzuweisen versucht habe. Insbesondere Komponisten mühten und mühen sich um die Transformation von Gemälden in Musik. Für Theiresias eine feine Sache, wurde ihm der Zugang zu ersteren nachhaltige durch die Lehrkörperin einer höheren Bildungsanstalt versalzen.
Zurück zur Sache: Modest Mussorgski komponierte nach einem Besuch einer Ausstellung seines zuvor verstorbenen Freundes Viktor Hartmann den Zyklus Bilder eine Ausstellung, in dem sich jeder Satz Mussorgskis mit einem Bild bzw. einer Zeichnung Hartmanns befasst. Ursprünglich für Klavier verfasst, wurde der Zyklus sehr schnell für viele andere Instrumente bearbeitet. Die vermutlich Berühmteste Verarbeitung dürfte die Orchesteradaption von Maurice Ravel sein. Insgesamt drei Bearbeitungen zählen die Autoren des Wikipedia-Artikels für die Orgel. Ob Carsten Wiebusch, Kantor der Christuskirche Karlsruhe, eine dieser Fassungen verwendet, oder ob er die Klavierfassung mit dem neuen Instrument der Christuskirche “orchestriert”, wie er es zuvor schon mit anderen Werken der Klavierliteratur getan hat, wird sich höchst wahrscheinlich wieder aus einer der sehr prägnanten und gut hörbaren Konzerteinführungen des Christuskirchen Kantors erfahren lassen.
Konzertbeginn ist 18:00 Uhr.
Übrigens gibt es heute Abend auf SWR 2 die Möglichkeit, die Klavier-Fassung schon einmal “vorzuhören”. Sie erklingt ab 20:03 Uhr in einem Konzert mit der Pianistin Anna Vinnitskaya.
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Theiresias spielt bei Orgel Kreativ Karlsruhe
Geschrieben von theiresias - 15. September 2011
Die Durlacher Orgelnacht, die seit geraumer Zeit alljährlich in der Stadtkirche an der Stumm/Goll-Orgel stattfindet, bringt Orgelmusik unterschiedlichster Couleur zu Gehör. Vom Frühbarock bis zur Gegenwart erklangen hier vermutlich schon fast alle erdenklichen Genres. Mal Orgel solo, mal als Begleitinstrument mit den kuriosesten Partnern wie Saxophon oder Schlagzeug. Dieses Veranstaltung nahmen sich die Organisten der Johanniskirche vermutlich zum Vorbild und luden unter dem Motto OK! – Orgel Kreativ alle nebenamtlichen KollegInnen auf den 23. September zur Langen Nacht der Nebenamtlichen Organisten und ihrer Gäste ein.

Jede und jeder, die oder der Lust hat mitzumachen, soll knapp eine halbe Stunde musizieren. Die Programmgestaltung liegt dabei ganz bei den Ausführenden. Dabei sei alles, was sich abseits der Pfade gängiger Orgelliteratur bewege, sowie Eigenkompositionen, Arrangements und Improvisationen besonders willkommen, schreiben die Initiatoren in ihrer Einladung.
Wie viele andere habe auch ich für diesen Abend ein Programm mit Unterhaltungsmusik zusammengestellt. Die Pfade der Orgelliteratur verlasse ich dabei allerdings nicht. Im Gegenteil: Mit den gewählten Stücken möchte ich wieder einmal dem Klischee entgegentreten, Kirchenmusik sei, steif, ernst bis unzugänglich. Unzählige kirchenmusikalische Werke wurden mit der Absicht komponiert, Freude zu stiften. „Der Gottesdienst soll fröhlich sein” lautet der Titel eines der Eingangslieder im Evangelischen Gesangbuch. Einer dieser immer wieder fröhlichen Gottesdienste ist der Traugottesdienst. Das Eingangsstück zu Fanny Hensels Hochzeit sollte eigentlich ihr Bruder Felix Mendelssohn komponieren, der zu dieser Zeit in England weilte. Da der Herr allerdings bis zum Vorabend der Hochzeit nicht geliefert hatte, verfasste sie am Polterabend selbst ein Präludium. Mit diesem werde ich mein Programm eröffnen.
Einen wichtigen Teilbereich der kirchlichen Orgelmusik bilden Stücke, die Kirchenlieder verarbeiten. Ob es nun ein Marsch, ein Blues, eine Toccata, eine Fuge oder weiß der Kuckuck ist, aus einer simplen Melodie entstehen höchst unterschiedliche Musikstücke. Ein Komponist, dem gefühlt keine Spielart fremd zu sein scheint, ist Carsten Klomp, Als Bearbeitungsvarianten wählt er musikalische Formen vom Barock bis zur Gegenwart, konzentriert sich dabei allerdings auf die Spielarten, die in der Kirchenmusik im deutschsprachigen Raum eher untypisch sind. So klingt eine seiner Bearbeitungen wie ein Blues, eine andere wie ein Abschnitt aus einem Ballett von Tschaikowsky. Seine Bearbeitung zu „Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend” kommt daher wie der Eröffnungs- oder Schlusssatz aus einem Concerto grosso.Ähnliche kompositorische Wege beschreitet Susanne Kugelmeier, vielleicht nur etwas konservativer. Der vielleicht stereotypste Popsong, der derzeit im Evangelischen Gesangbuch steht, ist Martin Gotthard Schneiders „Danke für diesen guten Morgen.” In ihren Variationen über das Lied geht die Komponistin über die Formensprache des frühen 19. Jahrhunderts nicht hinaus. Dieser restriktive Ansatz macht das Lied wieder neu und gut hörbar.
Theiresias spielt ab ca. 22:45 Uhr folgendes Programm:
Fanny Hensel, geb. Mendelssohn-Bartholdy (1805-1847)
Präludium in F-Dur
Carsten Klomp (* 1965)
Herr Jesu Christ, dich zu uns wend
Fanny Hensel (1805-1847)
Präludium in G-Dur
Johann Sebastian Bach (1685-1750)zugeschrieben
Fuga in G, BWV 577
William Wolstenholme (1865-1931)
Allegretto
Susanne Kugelmeier (* 1962)
Variationen über „Danke für diesen guten Morgen“
Das komplette Programm und alle Beteiligten finden Sie unter www.orgelkreativ.de.
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Nachmal “Danke”
Geschrieben von theiresias - 23. Juli 2011

Vor einigen Wochen spielte ich in der Ev. Kirche Hohenwettersbach anlässlich des 60 Geburtstages des Danke-Liedes, die Variationen über “Danke” von Susanne Kugelmeier. Da wir uns ja gewissermaßen im Jubiläumsjahr befinden, nehme ich die Stücke morgen mit in die Ev. Kirch Zum Guten Hirten, Karlsruhe Rintheim. Bis auf die Pavane werden alle Variationen zu hören sein. Gottesdienstbeginn ist um 10 Uhr. Herzliche Einladung.
Hier nochmal ein paar erläuternde Worte zum Lied, dessen Entstehung und der Bearbeitung für Orgel.
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Einladung zur “Entdeckung der Langsamkeit”
Geschrieben von theiresias - 19. Juni 2011

Sonntag, 26. Juni 2011, 18:00 Uhr, Evangelische Kirche Hohenwettersbach
Kinderbetreuung während des Gottesdienstes
Popmusik bzw. populäre Ausprägungen des Jazz sind inzwischen ein fester Bestandteil der Kirchenmusik. Durch die massenhafte Verbreitung des Pops und die Ausbeutung der Musik durch die Werbeindustrie ist wirklich jeder, ob er die Musik mag oder nicht, mit ihr vertraut. Statistiker glauben validiert zu haben, dass mehr Menschen Pop hören als beispielsweise Klassik.
Für die Kirchenmusik ergeben sich dadurch vielfältige Chancen und sie kann sich diese Hörgewohnheiten zu nutze machen, um ihrerseits Menschen auf einer ästhetischen Ebene anzusprechen, mit der sie vertraut sind. Pop ist nicht gut oder schlecht. Es gibt spannende, witzige, anrührende bis traurige Musik und es gibt saudumme Machwerke. Pop, als Genre, ist auch kein Kontrahent zur Klassik. Im Nebeneinander und Miteinander liegt, abhängig vom soziokulturellen Umfeld, die Lösung. Der Komponist Michael Schütz beschreibt dieses Jahr in der Zeitschrift Forum Kirchenmusik, die vom Verband evangelischer Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusik in Deutschland herausgegeben wird, welche Spielarten denkbar sind. In einer Workshop-Serie führt er Kirchenmusiker in die Begleitung von Kirchenliedern unter Zuhilfenahme von Pop-Standards ein. Schütz eigenes Werk tendiert dabei häufig an der Crossover-Grenze. Er nimmt ein altes Kirchenlied und schreibt darüber eine schmissige Pop-Bearbeitung. Er verbindet in einer Formation aus Flöte und Piano Klassik und Pop-Motive.
Mit der neuen JAZZPEL-Reihe in der Ev. Gemeinde Hohenwettersbach/Bergwald wollen wir den Eingangs skizzierten Umständen Rechnung tragen. Zudem wird der Musik ein höherer Stellenwert zugedacht. Jede Veranstaltung befasst sich mit einem bestimmten Thema, zu dem sich die Musik auf verschiedene Arten verhält. Sie deutet es, sie konterkariert es oder kommentiert es. Sie ist dabei sehr eng mit den anderen medialen Formen, wie bewegtem Bild oder (literarischen) Lesungen, verknüpft.
Mit unserem Gospelchor verfügen wir über einen Klangkörper, der in nahezu allen populären Musikgenres nach 1900 Erfahrungen gesammelt hat. Daneben sollen aber auch andere, beispielsweise instrumentale, Formen zu Gehör kommen um ein möglichst weites musisches Spektrum anzubieten.
So begehen wir die “Entdeckung der Langsamkeit” auf rein instrumentale Weise. Dabei nähert sich die Musik gewissermaßen dem durch das Thema vorgegebenen Tempo an. Im Vorprogramm (ab 17:45) erklingen zunächst fetzige und geschwinde Werke. Über den beim JAZZPEL üblichen Eingangsgesang, nähern wir uns dann dem Grundtempo. Es folgen drei instrumentale Balladen (eigentlich lyrische Erzählungen), die vielleicht mal aufbrausen, aber immer in einen ruhigen Fluss zurückfinden. Auch das gute alte Kirchenlied spielt eine Rolle, allerdings wird es in einen Jazz-Walzer gekleidet. Niemand braucht ob soviel Ruhe zu fürchten einzuschlafen, denn wie erwähnt lässt sich ein Thema musikalische auch konterkarieren. So enden wir mit der Aufforderung zum Tanz (Michael Schütz: Dance with me).
Mit Posaune, Saxophon und Tenorhorn, die einzeln oder gemeinsam, zu Klavier oder Orgel hinzutreten, entsteht ein farbenreiches Klangspektrum.
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Dem Mainstream entrissen: Strauß und Lanner auf historischen Instrumenten
Geschrieben von theiresias - 17. Juni 2011
„Wir haben noch nie so ein Programm gespielt. Und sie haben noch nie so ein Programm gehört.“ Mit diesen Worten eröffnete der Dirigent Nikolaus Harnoncourt am 05. Juni im Wiener Musikverein einen Konzertabend, den Deutschlandradio Kultur am 13. Juni sendete.
War man allein über den Inhalt des Programms auf Konzert oder Radioübertragung aufmerksam geworden, klang der zweite Satz Harnoncourts kühn. Schließlich gab er mit dem Concentus Musicus ein Programm, das im weitesten Sinne aus Unterhaltungsmusik bestand und eröffnete, wie schon beim Neujahrskonzert 2001, mit der Urfassung des Radetzky-Marsch von Johann Strauß Vater. Dies war aber auch das einzige Stück aus dem Strauß-Œuvre und dessen Umfeld, das den Zuhörerinnen und Zuhörern bekannt gewesen sein dürfte. „Es sind in diesem Programm viele Stücke, die überhaupt noch nie seit damals gespielt worden sind“, so Harnoncourt. Zudem wurde diese Musik seitdem nicht mehr auf den Instrumenten gespielt, die zu ihrer Entstehungszeit gebräuchlich waren. Harnoncourt verweist in seiner Einführung auf fünf unterschiedliche Klarinetten und zehn Trompeten in unterschiedlichsten Stimmungen. Teilweise wurden die Instrumente eigens für dieses Konzert rekonstruiert.
Generelle Kritiker der historischen Aufführungspraxis werden diese Herangehensweise ablehnen. Eben um damals moderne Musik zu spielen, seien immer wieder neue Instrumente entwickelt worden. Welche Musik hätte ein Bach schreiben können, hätte er die Möglichkeiten der modernen Trompete gekannt. Führt man sich diese weit verbreitete Hypothesen-Logik vor Augen, dann muten die Bemerkungen Harnoncourts vor Konzertbeginn geradezu musikphilosophisch an. Als er über die Trompeten spricht, gerät er zunächst ins Schwärmen:
„Der Klangunterschied ist ein viel reicherer Ton, eine Tonqualität an Farben, die unglaublich schön und liebenswert ist. Aber: Schönheit muss bezahlt werden; immer mit Sicherheit. Und nachdem die heutige Zeit immer mehr auf Sicherheit geht, haben wir die Schönheit weggeschmissen. Wir [zeitgenössischen Musiker] wollen halt Sicherheitstrompeten haben und alles soll sicher sein. Aber die Schönheit ist das, worauf wir [er und Concentus Musicus] setzen.“ (Hervorhebung und Ergänzungen durch Theiresias, aufgrund der Betonungen in der freien Rede)
Die Musiker zahlen diesen Preis hörbar. Im Kettenbrücke-Walzer patzen die Trompeten und die Parallelführung von Violine und einem Holzblasinstrument (welchem auch immer) im Walzer à la Paganini scheitertet in der konkreten Ausführung an der treffenden Intonation. Was vielleicht vom Komponisten als Schwebung intendiert war, gerät größtenteils schief. Und doch ist wunderbar. War es auch nur eine kurze Passage, in der man diesen fremden Klang zu erahnen glaubte, dann war dieser Moment jede klangliche Unpässlichkeit wert.
Ein Anliegen des Dirigenten ist es, mit diesem Konzert die späte Wiener Klassik (Haydn/Mozart) mit der frühen Tanzmusik des 19. Jahrhunderts zu verbinden. Das Bindeglied bildete eine Zusammenstellung später Tanzmusik Wolfgang Amadeus Mozarts. Diese Programmierung scheint gerechtfertigt, glaubt man doch derweil man diese vergessene Musik Mozarts hört zu erahnen, inwiefern sie für Strauß Vater und Lanner als Inspirationsquelle gedient haben mag.
Bereits bei seinem Neujahrskonzert im Jahr 2001 räumte Harnoncourt mit einem eigenen Block dem Strauß-Vater-Zeitgenossen Joseph Lanner breiteren Raum ein als dies andere Dirigenten zuvor taten. Warum Lanner im Gegensatz zu den Straußen nicht berühmt wurde klärt vielleicht eine von Otto Brusatti mit herausgegebene Biographie zu Lanner. Das Gespräch, das das Deutschlandradio anlässlich des Konzerts mit dem ehemaligen Musikredakteur des Österreichischen Rundfunks ausstrahlte klärt die Frage jedenfalls nicht. Brusatti erhebt Lanner hier zu einem der größten 100 Komponisten, die je gelebt haben und granteld gegen Gott und die Welt (insbesondere letztere). Dieses Gespräch hätte man bei gleichem Informationsgehalt auch nicht ausstrahlen können
Der Zuhörer folgte da lieber dem zweiten Teil des Konzert, in dem ausschließlich Werke Lanners erklangen. Die meisten davon gerieten mit dem Tod des Komponisten im Jahr 1843 in Vergessenheit. Harnoncourt hat also nahezu das komplette Programm in der Bibliothek des Musikvereins und der Wiener Stadtbibliothek recherchiert und für die Aufführung eingerichtet, stets in dem Bestreben sich bei der Interpretation historisch so weit als möglich der Musik zu nähern. Allerdings wird bei ihm die Methode nicht zur Manie. So sagt er direkt vor der Aufführung der Urfassung des Radetzky-Marsches:
„Es steht im Programm, dass der Radetzky-Marsch nicht eingeschlagen wird. Wir haben aber einen Einschlag gefunden im 6/8-Takt aus den 1840er Jahren und auf den können wir doch nicht verzichten.“
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Handbuch
Geschrieben von theiresias - 8. Juni 2011
Theiresias ist old school. Er gehört zu der Sorte Mensch, die beharrlich dem Irrglauben unterliegen, Handbücher seien zum Lesen geschrieben. Das Digital-Piano, welches er im Zuge seiner Nebenbeschäftigung regelmäßig betastet, kann man selbstverständlich auch an eine Verstärkeranlage anschließen. Folglich las der blinde Seher im beiliegenden Handbuch wie dies gehe und da stand:
Die Einstellung [MASTER VOLUME] für die Gesamtlautstärke des Instruments hat keinen Einfluss auf den Klang, der an den AUX-OUT-Buchsen ausgegeben wird.
Theiresias war des zufrieden, bedeuteten diese Worte doch, dass das Klavier seinen Klang über die Ausgangsbuchsen mit der für diese Buchsen üblichen Lautstärke ausgibt. Will man es über die Lautsprecher der Verstärkeranlage lauter klingen lassen, ist das am Mischpult zu regeln. Zudem kann man die eingebauten Lautsprecher wahlweise als Monitorboxen benutzen oder ausschalten, indem man den Lautstärkeregler (Master Volume) benutzt. Technik die begeistert.
Handbuch das zum Scheitern verurteilt: In den Morgenstunden des Himmelfahrtstages saß er unter einem Baume und verband die AUX-OUT-Buchsen (6,3 mm Klinke) mit den Eingängen des Mischpults, schaltete die in das Instrument eingebauten Lautsprecher aus, spielte ein par Töne und … tacet. Die unwissenden Umstehenden versuchten zu helfen: Der Lautstärkeregler sei ja ganz unten.
Aber Theiresias klärte sie über die Bedeutungslosigkeit dieser Feststellung auf, schließlich habe er ja das Handbuch gelesen. Als er allerdings in einem Moment der Unachtsamkeit das Instrument verließ, drehte doch jemand am MASTER VOLUME und entlockte so dem Instrument Töne.
Ob dieser bildungsbürgerlichen Niederlage fiel Theiresias dem Händler auf dem Wecker, der ihn mit der heißen Leine des Herstellers abspeiste, wo unser Held schließlich unter geschickter Verwendung der automatischen Wahlwiederholung nach zwei Stunden endlich jemanden erreichte.
Wie denn die Buchse heiße, fragte der unterbezahlte Mitarbeiter des Call-Centers, MAIN-OUT oder AUX-Out?
AUX-OUT antwortete der Seher seelenruhig.
Das sei das Problem erklärt ihm sein freundliches Gegenüber. Die Lautstärke der MAIN-OUT-Buchsen seien unabhängig vom MASTER-VOLUME, die Lautstärke der AUX-OUT-Buchsen würden vom MASTER-VOLUME beeinflusst. Ob denn das Gerät auch MAIN-OUT-Buchsen habe?
Nein antwortete Theiresias.
Dann sei das ein Schreibfehler, tue ihm leid.
Unseren Helden packte die blinde Wut und er wurde vom puren Aktionismus erfüllt. Er lud sich die aktuelle Version der Bedienungsanleitung aus dem Netz und staunte nicht schlecht als er dort folgendes las:
Die Einstellung [MASTER VOLUME] für die Gesamtlautstärke des Instruments hat Einfluss auf den Klang, der an den AUX-OUT-Buchsen ausgegeben wird.
Folglich wird er sich künftig zu allen Neuerwerbungen die Bedienungsanleitungen aus dem Netz laden. Das gedruckte Wort zählt nichts mehr.
PS: Wäre Theiresias direkt zu Beginn auf die Idee gekommen, ganz bildungsbürgerlich einmal in die englische Version zu schauen, hätte er sich dies alles ersparen können:
The instrument’s [MASTER VOLUME] setting will affect the sound that is output form the AUX-OUT jacks.
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