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die dinge mit den augen des blinden sehers

Archiv für die Kategorie ‘Medien’

Theiresiasweb entschleunigt

Verfasst von theiresias am 14. Februar 2009

Hochvererte Leserinnen und Leser,

hier war in den letzten Wochen mau. Aber ist es denn nicht mal angenehm, wenn es jemand unterlässt, mit banalen Fehlern um sich zu schmeißen. Bei Niggemeier und Bildblog.de dokumentieren sie derzeit akribisch den belanglosen Blödsinn, den Deutschlands quantitative Leitmädchen, öhhh Leidmedien öhhh … ach, sie wissen schon was ich meine, derzeit um einen frisch rausgepressten Wirtschaftsminister und einen Fußistar verbreiten.

Also bevor mir so etwas passiert, halte ich doch lieber mal zwei Monate die Klappe …

Aber morgen gibt es was zu lesen, denn Karlsruhe hört Telemann! und Theiresias sorgt dafür, dass Karlsruhe hören kann. Alle Fans der barocken Musik müssen am Sonntag also hier vorbei schauen, denn dann antwortet Theiresias auf die Frage: „Was ist mir doch das Rühmen nütze?“

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„Wenn Kabel, dann aus der eigenen Schüssel.“

Verfasst von theiresias am 14. November 2008

Nein dieser Satz ist nicht von Theiresias, er stammt entweder von Frieda oder Annelise, die dereinst vor Urzeiten das Frühstyxradio bei Radio-FFN bereicherten. So blödelnd er damals gemeint sein mochte, so wahrheitsschwer wiegt er doch heute.

Vor ein paar Tagen „modernisierte“ der Kabelnetzbetreiber unsere hausinterne Anlage. Sie nennen das jetzt „Multimediaanschluss“. Letztendlich bedeutet dies nichts anderes, als dass man neben TV und Radio analog und digital (soweit lief das vorher auch schon) jetzt auch über das Kabelnetz (mit zugegeben gigantischer Geschwindigkeit durchs Netz surfen kann. Die Modernisierung bestand also darin, jede Wohnung des Hauses eindeutig adressierbar zu machen, denn wer surfen will braucht nun mal eine Internet Protokoll-Adresse.

Doch wie verwegen waren Theiresias Hoffnungen, jetzt würden auch einige grundlegende Mängel im Kabelnetz beseitigt. Diese lassen sich mit einem Wort zusammenfassen: Paketverlust. Als Theiresias analoger Radioempfänger vor geraumer Zeit den Geist aufgab, holte er sich auf Ebay einen digitalen Empfänger. Seit einigen Monaten empfängt er dadurch alle Radiowellen der ARD, Fernsehen Privat und Öffentlich Rechtlich sowieso in der so hoch gerühmten digitalen Qualität, was auch immer das sein soll. Bei Lichte besehen ist der DVB-C-Standard, vermittels dessen die Audio- und Videosignale durch die Netze gejagt werden, eine absolute Flickschusterei und technisch vollkommen veraltet. Trotzdem sollte es damit möglich sein, verlustfrei Radio und Fernsehen auszuliefern. Dem hiesigen Kabelnetzbetreiber gelingt dies jedoch nicht. Da kann es schon mal passieren, dass bei einem wunderschönen Klavierabend, den Deutschlandradio Kultur dankenswerterweise ausstrahlt, einfach mal ein paar Sekunden fehlen und stattdessen ein nervtötendes Knirschen bzw. Knacksen zu hören ist. Was passiert da?
Die analogen Audiosignale werden digitalisiert, also in Nullen und Einsen umgewandelt. Diese werden in Pakete geschnürt und durch das Kabelnetz geschickt. Der Empfänger greift diese Signale ab und das Empfangsgerät macht daraus wieder Musik. Wenn nun aber ein Paket verloren geht, was soll das arme Empfangsgerät da machen? Es kann nur Knirschen und Knacksen.

Der DVB-S Standard funktioniert ähnlich. Erstaunlicherweise hat man es hier geschafft, dem Paketverlust Herr zu werden. Davon konnte ich mir bei unzähligen Gelegenheiten ein akustisches Bild machen. Über Satellit macht Radio wirklich Freude, man kann, das entsprechende Equipment vorausgesetzt, manche Konzerte und Hörspiele sogar im Raumklang empfangen.
Nur die tollen Kabelnetze kriegen das nicht hin.

Was den heutigen Klavierabend angeht, bin ich inzwischen auf den Hochwertigen OGG-Vorbis-Stream des Deutschlandradios umgestiegen. Wenn schon IP, dann aber richtig. Jetzt sitze ich halt mit einem guten Kopfhörer, der in eine exzellente Soundkarte eingestöpselt ist, vor dem Computer.

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Hörspieltage 2008 5: Ein humorvoller Blick hinter die Kulissen – Die SWR Dramaturgen gehen mit sich selbst ins Gericht

Verfasst von theiresias am 6. November 2008

Menschen, Möbel, Dialoge. Das ist Dramaturgie, langweilig wird sie nie. Scheint der Titel banal, die Live-Performance die am 06.11.2008 bei den Hörspieltagen geboten wurde, überzeugt durchaus, auch wenn nur vereinzelt gelacht wurde, dafür aber herzlich.
Denn sind wir mal ehrlich, wer weiß so genau, was ein Film oder Hörspieldramaturg bzw. -dramaturgin macht? Wir lesen dieses seltsame Wort immer nur im Filmabspann oder hören es am Ende eines Hörspiels. „Dramaturgie: Hubert Hächsler Textzersetzer“. Aus Autorensicht mag diese Umschreibung die zutreffendste sein. Denn, das wurde im Verlauf der halben Stunde deutlich, DramaturgInnen können wahre Nervensägen sein. Dabei wollen sie doch immer nur das Beste, den/die AutorIn bei der Erstellung des Drehbuches beraten, alles zum Wohle des Werkes. Hierbei gerieren sie sich, jedenfalls innerhalb der Fiktion des Stückes, zu Therapeuten vom Dienst. Zunächst einmal sind sie stinkfreundlich, sie schleimen sich gerade zu beim Dichter bzw. bei der Dichterin ein. Doch dann, wehe ein Termin wurde geschmissen, oder ein Wort im Text missfällt, eine momentane Schreibschwäche tritt auf, dann werden sie zu Alphatieren. Innerhalb des Live-Hörspiels kulminiert dieser Arbeitseifer in dem Satz: „Schreiben sie mir, was sie an ihrem Text hassen.“ Spätestens hier konnten sich die versammelten ARD-MitarbeiterInnen nicht mehr halten. Schon vereinzelt brach die ein oder der andere vorher in einen krampfhaften Lachanfall aus, auch kleine Grüppchen prusteten los. Die normalsterblichen ZuhörerInnen hatten am Anfang noch nicht begriffen, was hier vom sogenannten Dramaturgenchor des SWR geboten wurde. Doch so langsam tauten dann auch wir auf und wir begriffen, dass sich hier eine kleine und, in Film und Hörspiel nicht wegzudenkende, Berufsgruppe zum Besten nahm. Nicht etwa, dass die Briefe und E-Mails an die AutorInnen, aus denen das Stück bestand, von professionellen SprecherInnen gelesen wurden, nein die Ensemblebezeichnung Dramaturgenchor ist wörtlich zu nehmen.

Alles in allem eine sympathische halbe Stunde im Kreise der ARD MitarbeiterInnen (sowohl im Hörspiel als auch zahlreich im Publikum). Danke!

PS: Derweil ich diesen Text im Foyer des ZKM verfasse, reden neben mir zwei Damen gedämpft. Es geht um irgend einen Hörspiel- oder Featuretext. Zufälle gibt’s.

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Ab in die Klangkiste – ARD Hörspieltage 2008

Verfasst von theiresias am 3. November 2008

Nur, für den Fall, dass irgendwer Theiresias ab diesen Mittwoch suchen sollte: Ich verstecke mich ab Mittwochabend wieder in dieser sympathischen Kiste.

Dabei schottet sich Theiresias vollkommen von der Außenwelt ab, was weniger eine Haltung denn ein Diktat der Architektur dieses Raumes ist. Der sogenannte Kubus des Zentrums für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (ZKM) steht nämlich keinesfalls auf solidem Karlsruher Boden, sondern schwebt darüber. Wenig physischen und damit klanglichen Kontakt zur Außenwelt soll dieser Bau haben, erfuhr ich vor ein paar Jahren während einer Führung. Egal ob vor dem ZKM die Straßenbahnen vorbeirauschen oder ein Bauunternehmer vor der Tür ein Konzert für Presslufthammer und Vierzigtonner improvisiert, wer sich im Kubus befindet, wird das nicht mitbekommen. Der Raum selbst hat eine etwas befremdliche Akustik, die bewusst – um es trivial auszudrücken – trocken bzw. direkt gehalten ist. Durch die Benutzung von Vorhängen und  ominöser, an der Decke montierter Platten kann die akustische Tragweite jedoch geringfügig beeinflusst werden.
Fassen wir zusammen: Ein akustisch abgeschotteter Raum, der dazu eine trockene bzw. direkte Klangcharakteristik aufweist; Wer hier abtaucht, muss also gewaltig einen an der Waffel haben. Weit gefehlt!
Ich schrieb bislang noch nicht über die Inneneinrichtung. Und spätestens jetzt dürften Hifi-Fans neidisch werden. Ich sage nur: Über 40 Lautsprecher und jeder davon kann einzeln angesprochen und teilweise elektronisch gesteuert in die gewünschte Position verbracht werden. Damit wird klar, warum bei der Erbauung des Raums auf kontrollierbare akustische Rahmenbedingungen geachtet wurde. Wer für den sogenannten Klangdom komponiert, bekommt u. a. die Möglichkeit, ein Tonsignal gezielt an einem ganz bestimmten Ort im Raum zu positionieren. Weiter gedacht bedeutet dies, dass die räumliche Dimension konstitutiver Bestandteil einer Komposition bzw. einer Interpretation werden kann.

Im Rahmen der ARD Hörspieltage, über die ich ja, wie mir gerade einfällt, ursprünglich schreiben wollte, gewährt das ZKM wieder Einblicke in diese faszinierende künstlerische, aber für mein Empfinden oft intuitiv nicht nachvollziehbare, Arbeit. Das Reinhören lohnt sich auf jeden Fall. Gelegenheit dazu besteht am Samstag, 08.11.2008 um 19:00 Uhr.

Doch es braucht gar nicht so viele Lautsprecher, um diesen Raum schätzen zu lernen. Das geht auch bei einem klassischen Kammerkonzert, bei dem große Räume mit charakteristischer Akustik oft hinderlich sein können. Es reichen ebenfalls lediglich zwei Lautsprecher, vor denen man in aufgestuhlten Reihen Platz nimmt und den Darbietungen der zum ARD-Hörspielpreis eingereichten Stücke lauscht. Nicht zu weit vorn nicht zu weit hinten und immer genau in der stereophonen Mitte, so lautet die Formel für das optimale Hörergebnis. Wobei ich nicht schlecht staunte als ich angesichts des Prelistening zum ARD-Radiotatort im vergangenen Jahr in einer der hinteren Ecken auf dem Fußboden platznahm. Auch hier noch ein betörendes Hörerlebnis, um das einen so manch bekennender Hifiast beneiden dürfte.

Auf die einzelnen Stücke werde ich in den kommenden Tagen an dieser Stelle noch eingehen. Es ist wieder alles dabei: Wunderbare Hörstücke, die fesseln, zum Staunen einladen oder gar Begeisterungsstürme hervorrufen, Stücke bei denen ich offen bekenne, sie nicht zu begreifen, Stücke die mir auf das Äußerste missfallen. Kurz und gut: Ein optimales Festivalprogramm! Anerkennend nehme ich auch zur Kenntnis, dass die Hörfunkanstalten die Stücke im Rahmen ihrer rechtlichen Möglichkeiten bereits vor der Veranstaltung im Netz präsentieren. Dabei sind sie dieses Jahr besonders kreativ, indem sie Inhalte, die sie zum Download und OnDemand nicht anbieten dürften, einfach in repetierende Webchannels verfrachten. Das ist zwar für die HörerInnen etwas aufwendiger, mit dem ein oder anderem Hilfsmittel jedoch unproblematisch.

Nach der Vorführung eines Hörspiels während der Hörspieltage folgt eine kurze Jurydiskussion. Hier verließen in den vergangenen Jahren oft diverse Leute den Kubus, da einige Diskussionen selbst zu einem tragisch/komischen Fünfzehnminüter gerieten. So zum Beispiel, als man im vergangenen Jahr die Hörspielbearbeitung des Bestsellers Tannöd (von Andrea-Maria Schenkel) besprach. Dabei sei jeder Jury zugestanden, dass sie eine Einreichung aburteilt und für unwürdig befindet (wie damals geschehen). Wenn man aber versucht, analytisch vorzugehen und den Hörspieltext von der Romanvorlage abzugrenzen, dann ist es für Kenner lächerlich und für die Betroffenen ärgerlich, wenn einzelne Jurymitglieder virtuos ins Klo greifen. Behauptete doch dereinst tatsächlich eine Frau Doktor, u. a. Literaturkritikerin bei einer großen Süddeutschen Zeitung ihres Zeichens, es sei unklar, wer den Roman erzähle, ja der Erzähler trete nicht auf. Die Lektüre der ersten beiden Romanseiten hätte sie eines Besseren belehren können.

Aber zum Glück bleiben derartige Juryschnitzer inzwischen nicht mehr ungesühnt, denn ebenfalls nach jedem Hörspiel gibt es eine Diskussion mit den HörspielmacherInnen (Regie, Dramaturgie, Redaktion, AutorInnen etc.) auf dem Musikbalkon direkt vor dem Kubus. Hier darf sich jede und jeder beteiligen.
Natürlich hatte im obigen Fall der Leiter der Hörspielabteilung des Norddeutschen Rundfunks, Norbert Schaeffer, eine undankbare Aufgabe. Um dem Verriss seiner Tannöd-Inszenierung zu widersprechen, musste er erst mal solides literaturwissenschaftliches Erstsemesterwissen populär aufbereiten. So konnte er einige der schlimmsten sachlichen Jurypatzer zumindest sachlich korrigieren.
Ich nehme übrigens Wetten entgegen, an welchem Stück sich die Jury dieses Jahr „vergreift“. Wobei ich noch nicht weiß, wer ihr angehört.

Kein Geheimtipp ist inzwischen auch das Rahmenprogramm der Hörspieltage. Hierbei setzt man auf die großen Publikumsmagnete. Eine Radioshow mit Jochen Busse die Freitag, 08.11.2008 auf hr 2 und SWR 2 direkt übertragen wird gehören dazu, wie auch die „Wortoper“ Rotkäppchen, die vom letztjährigen Büchnerpreisträger Martin Mosebach kreiert wurde.
Theiresias wird sich nach der Preisverleihungsgala am Samstag sicherlich noch das Motion-Trio anhören, das laut Leporello zur Veranstaltung das Akkordeonspiel neu definiere.
Wenn die Kräfte dann noch einigermaßen reichen, der Hörspieltag geht ja immerhin am Samstag um 11:00 Uhr los, entschwebt Theiresias nach diesem Konzert in die Radiotatort-Nacht. Hier gibt es zwei Prelistenings (Ausstrahlung im nächsten Jahr), die leider durch den schwachen Radiotatort des Hessischen Rundfunks aus diesem Jahr unterbrochen werden. Nun ja, der HR ist Gastgeber, was will man machen.

Vor allem nicht meckern, ist es doch durchaus nicht selbstverständlich, dass die Hörspieltage inzwischen zum dritten Mal in Folge im ZKM stattfinden. Mit Kubus und Medientheater hat das Zentrum allerdings auch einiges zu bieten.

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Das Aus für den Deutschlandfunk?

Verfasst von theiresias am 1. November 2008

Wie ja den Hörerinnen und Hörern der Sendung Krieg der Welten (siehe hier und hier) bekannt sein dürfte, existiert das Columbia Broadcasting System (CBS) seit dem Angriff der Marsianer nicht mehr. Ein ähnliches Schicksal droht jetzt auch dem deutschen Qualitätsradio. Allerdings sind die Angriffsmethoden in diesem Fall noch perfider. Konnten die CBS-Reporter ihre Vernichtung noch live reportieren, findet die Zersetzung des Deutschlandfunks von innen statt; das eigene Programm wird den Untergang herbeiführen. Die Anzeichen sind leider unverkennbar. So heißt es in der Vorankündigung der Sendung Klassik-Pop-et cetera:

Die Pianistin Lise de la Salle Sternzeichen Stier! Die gerade mal 20-jährige Pianistin Lise de la Salle begründet ihre Zielstrebigkeit mit den Sternen: [...]

Dieser Griff nach den Sternen symbolisiert die Invasion der Esoterikaner, die jenseits der Brandweinstrasse beheimatet sind.  Wie weit fortgeschritten die Zersetzung ist, davon zeugen die umgebenden nekrophilen Programmstunden. In altbekannter boulevardesker Manier begibt sich Das Wochenendjournal auf den Friedhof Melaten. Um kurz nach elf übernehmen mit letzter kosmopolitischer Restenergie die Gesichter Europas, in dem sie – wer hätte das gedacht – europäische Friedhöfe bereisen.

Wenn der Sender sich noch bis kurz vor fünf hält, dann ist Rettung nah. Diese liegt wie immer im Suff. Denn dann erfahren wir im Digitalen Logbuch endlich, wie man sich ein Vista-Bier braut.

Diverse Privatsender von der RTL-Gruppe bis zu Prosieben/Sat1 haben übrigens Interesse an den Frequenzen und dem Archivmaterial des sterbenden Senders geäußert. Mit Monothemismen kenne man sich mindestens genauso gut aus wie die pseudointerlektuellen öffentlich rechtlichen Sender. Man könne also den Sendebetrieb übernehmen, ohne dass überhaupt jemand etwas merke. Außerdem habe man noch diverse Wissenschaftssendungen (Transzendentia – Reinkarnations TV), Doku-Soaps (Bestatter sucht Leiche), aber auch Eventshows (Deutschland sucht den Superbeerdigungsorganisten) in petto. Gerade mit der letztgenannter Show werde man beweisen, das Qualitätsradio nicht nur öffentlichrechtlich sein müsse. Immerhin würden die Laienmusiker ja nur hervorragende Komponisten, weil tote Komponisten, zum Besten geben.

In diesem Sinne schließen wir diesen Bericht mit Bach:
„Wir setzen uns mit Tränen nieder und rufen Dir im Grabe zu: Ruhe sanfte, sanfte ruh!“

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Zertifikate sind wie Wetten

Verfasst von theiresias am 16. Oktober 2008

Hermann Josef Tennhagen, Chefredakteur der Zeitschrift Finanz-Test, ist mit der Berichterstattung zur Finanzkrise höchst unzufrieden und rügt folglich den Blätterwald und die Mattscheibengesichter. Geradezu erhellend mutet es an, wenn er in der aktuellen Ausgabe des Radioeins-Medienmagazins (Downloadlink) erklärt, wie es denn richtig geht. Ob man mit seinen Lösungen tatsächlich einen journalistischen Lösungsweg pflastern kann, oder ob die Metaphorik vielleicht doch etwas schief läuft, davon mag man sich selbst ein Bild machen. Zur Reflexion taugt das sorgfältige durch Jörg Wagner geführte Interview allemal.

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Krank

Verfasst von theiresias am 27. September 2008

Ersparen wir Fernsehzuschauer (und auch die lieben Zuschauerinnen) uns denn wirklich nichts? Jetzt schauen wir im WDR-Fernsehen sogar die Bastian-Sick-Show. Für alle die seine Werke nicht kennen: Bastian Sick hält uns mit seinen Büchern den sprachlichen Spiegel vor die Nase. Wann immer sich jemand sprachlich verhaut, dann ist Sick zur Stelle, schreibt es auf oder macht ein Foto von peinlichen Schildern oder Werbeslogans.
Ich finde es durchaus begrüßenswert, dass man sich um den richtigen und sinnreichen Gebrauch der Sprache mehr als bemüht. Dafür braucht es sicherlich auch jemanden wie Sick, der zweifelsohne ein Meister der Deutschen Sprache ist. Die Pflege derselben will ich ihm nicht ankreiden. Er treibt es allerdings immer bis zum Äußersten. Er sucht drei Haare in der Suppe und bastelt daraus eine Kolumne. Und natürlich gibt es diese Kolumnen dann in der Bastian Sick Show auch zu hören. Ein Mann sitzt an einem Schreibtisch und liest aus seinen Büchern. Geil! In der heutigen Ausgabe regte sich der Sprachpolizist über die „Lücke“ im Deutschen auf. Und weil er offensichtlich nicht genug Lücken finden konnte, erfand er einfach ein paar. Oder schreiben Sie Muttersprache wirklich getrennt?
Natürlich liest Sick nicht einfach nur aus seinen Büchern. Nein, es gibt auch Sketche rund ums Thema Sprache und ein Publikumsspiel, nach dessen Durchführung alle peinlich berührt sind. Was fehlt jetzt noch zu einer guten Show (wie undeutsch dieses Wort)? Natürlich Gesang. Das war jetzt kein Satz, aber ich wollte Sick die Möglichkeit einräumen, auch über diese aus der Hüfte geschossene Kritik, später mal zu kolumnieren (darf man so ein Wort überhaupt benutzen?). Zurück zur Musi: Die besorgte die Kölner Gesnagstruppe „Basta“. Zugegeben, wunderbare Musiker, deren Debütshow im WDR ich jedes Mal mit Freude sah. In dieser Show ließen sie auch immer ihren Gast singen. Das ging mal gut und mal schief. Also gaben sie auch eine Nummer zusammen mit ihrem Gastgeber. Sick besang den Titel seines Bestsellers Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Musik für die Tonne. (GEFAHR: Dies war wieder ein falscher Satz!) Sick war sich auch nicht zu schade für eine Patrik-Lindner-Choreographie. Seine Frisur tat ein Übriges. Alles in Allem war diese halbe Stunde vollkommen sick.

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Tsunami über Deutschland

Verfasst von theiresias am 26. September 2008

Eine Mediensatire zum Kugeln aus dem Jahr 2007, die 2008 gehört noch viel lustiger ist.

Eine dunkle Sturmwolke nähert sich von der Ostsee der Bundesrepublik Deutschland und rast gnadenlos auf Berlin zu. Ein kleines Kuhdorf fiel ihr bereits zum Opfer, als das ARD Krisen Center in Berlin endlich mit der Berichterstattung beginnt und das laufende Hörspiel den ach so wichtigen aktuellen Ereignissen zum Opfer fällt.
Zunächst schaltet man zum Reporter vor Ort, der aber anstatt zu reportieren kuriose Meldungen, die ihm auf Zetteln zugesteckt werden, ungefiltert in den Äther plappert. Es folgen die Nachrichten. Ihr einziges Thema: Die Sturmwolke. Nach diesen fiktiven drei Minuten der Ruhe bringt das ARD Krisen Center die mediale Walze ins Rollen. Die ersten Politikerstatements, vermeintliche Experten.
Die ersten Gerüchte kommen auf. Live verkündet irgend ein verkappter Wissenschaftler, Ursache des akustischen Tsunamis seien geheime Experimente der NATO mit sogenannten Schalldruck-Bomben. Es folgen Dementis und Empörung. Der gerade aus dem Amt verschiedene Ministerpräsident Stoiber fordert den sofortigen Abbruch der Experimente. Die Bundespolitik beharrt darauf, es sei ein natürliches Phänomen, ein anderer Experte, natürlich mit Professorentitel, bestätigt diese Haltung.
Und dann zeigt der öffentlich rechtliche Journalismus mal so richtig, was er drauf hat. Als Fuchs Spürpanzer an den Ort des Geschehens geschickt werden, wittert der Comoderator direkt den Einsatz der Bundeswehr im Inneren. Aufrichtig enttäuscht berichtet daraufhin der Außenreporter, die Panzer wären, nachdem sie die Wolke dreimal umfahren hätten, wieder verladen worden. Zurück ins Studio, wo der in Fragen der Innen- und Verteidigungspolitik vertraute Redakteur darauf beharrt: „Dieser Vorfall wird ein politisches Nachspiel haben.“ Aber genug des Inhalts. Nur noch kurz, was Ihnen entgangen ist, wenn Sie die Ausstrahlung gestern Abend auf 1 LIVE versäumten und die voraussichtlichen Wiederholungen auf anderen Wellen verpassen werden: Die Live-Reportage eines ORF-Reporters aus dem Inneren des Tsunamis unter Verlust seines Lebens, 235 teilweise ertaubte Bundeswehrsoldaten, den Untergang Berlins und des Rests der Welt.
Und glaubt man, die HörspielmacherInnen sind mit ihrem Repertoire am Ende, legen sie erst so richtig los. Dabei ist das mediale Instrumentarium keineswegs aus der Luft gegriffen. Es begegnet uns täglich ob im Radio oder Fernsehen. Was hier in der Fiktion praktiziert wird, ist auditiver Realismus, der in seiner konkreten Darbietung zur Karikatur wird. Autor und Regisseur Heiner Grenzland macht sich gar nicht erst die Mühe, Namen für seine Figuren zu erfinden. Die Bundeskanzlerin heißt Merkel, der Verteidigungsminister Jung usw. usf. Die Handlung, in die er die literarischen Alter-Egos der zeitgeschichtlichen Personen versetzt, ist so absurd und auf hohem Niveau bekloppt, dass er sich diesen von manchem Betroffenen sicherlich als schändlich empfundenen Fehltritt ohne Probleme erlauben kann. Die Absurdität der Handlung bewirkt ferner, dass Hörerinnen und Hörer ihr Ohrenmerk auf gängige politische und mediale Gepflogenheiten richten. Theiresias brach beispielsweise in schallendes Gelächter aus, als vom „Landeskommando der Bundeswehr“ die Rede war. Auch die Multiplikation einer Einzelmeinung zu einer öffentlichkeitswirksamen These lässt sich neben ganz vielen anderen Dingen an diesem Hörspiel nachvollziehen. Prompt schwebten Theiresias die Bilder des drohenden Weltuntergangs vor Augen, der durch ein schwarzes Loch herbeigeführt werden sollte, welches wiederum durch die Inbetriebnahme des neuen Teilchenbeschleunigers am CERN verursacht würde. So verkündete es jedenfalls vor ein paar Wochen ein chaotischer Chaostheoretiker, der aber kein ausgewiesener Physiker, sondern Metaphysiker …. öhhhhh …. Chemiker der Professur nach ist. Alle fanden diese Idee des Weltuntergangs so geil, dass sie dem verwirrten alten Mann extra viel Sendezeit einräumten.

In Grenzlands Hörspiel geht die Welt übrigens tatsächlich unter und wird – quasi im Epilog – wieder besiedelt.

Unbedingte Hörempfehlung, wenn es irgendwann mal wieder gesendet wird.

Tsunami über Deutschland
Hörspiel von Heiner Grenzland
Regie: der Autor
Produktion: RBB, 2007

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Mitglieder demokratischer Parteien wählen den NPD-Kandidaten

Verfasst von theiresias am 29. Mai 2008

Nein! So war es dann doch nicht, auch wenn Spiegel-Online das gestern glaubte und sich der Rest des Qualitätsonlinejournalismus dieser gehäuften Portion Beklopptheit anschloss.
Was war passiert: Bei der Ministerpräsidentenwahl in Sachsen hatte der Kandidat der NPD 11 Stimmen erhalten. Das waren drei mehr als die Fraktion über Mandate verfügte. Wer aus CDU, SPD, FDP, Grünen oder der Linken hatte denn da die Braunen gewählt? rätselte die RSS-Feed-Maschinerie.
Die banale und simple Antwort erhalten Sie, wenn Sie diesen rasanten Text Stefan Niggemeiers lesen, der den gestrigen medialen Eklat-Prozess von vorn bis hinten durchbuchstabiert. Seinem Schlussstatement kann man danach nur schwer widersprechen.
Pflichtlektüre für alle fleißigen Spiegel-Online-LeserInnen!

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Ausschließliche Bedienung des Mainstreams ist keine Grundversorgung!

Verfasst von theiresias am 7. April 2008

Werte WDR4-Verantwortliche,

ich wurde u. a. durch Ihr Programm musikalisch sozialisiert. Wunderlicher Weise habe ich dadurch keinen bleibenden Schaden davon getragen. Geblieben ist die Liebe zum Schlager und zum Easy Listening, das ich keinesfalls auf die leichte Schulter nehme. Daher bin ich regelmäßiger Hörer Ihrer Sendung Go Götz Go. Sehr zu loben ist die Internationalität dieser Sendung. Spielen Sie doch nicht nur den üblichen weichgespülten Mainstream, den Sie zum Großteil vor 20 Uhr von sich geben, sondern wagen diverse Blicke über den musikalischen Tellerrand. Natürlich liegt dies an der von Herrn Alsmann getroffenen Auswahl. Sehr erfreut war ich auch, als ich die Sendung nun endlich in ansprechender Klangqualität (MP3 128 kb/s 44.1 Hz Stereo) über das Internet auf meiner Stereoanlage hören konnte. Rügen muss ich folgendes:

Screanshot der WDR4-Internetseite

Ein Blick auf Ihre Internetseite, auf der Sie großspurig ankündigen, die Titel und Interpreten der gesendeten Musikstücke einsehen zu können, straft sie einer schlampigen redaktionellen Betreuung der Sendung Go Götz Go. Denn gerade die unbekannten Titel, die evtl. teilweise nicht mehr ohne weiteres im Handel zu erwerben sind, kann man bei Ihnen nicht recherchieren. Wäre es in diesem Fall, quasi jenseits des Mainstreams, nicht besonders wichtig? Zählt nicht gerade diese Sendung zur Sicherung der kulturellen Vielfalt und ist damit Grundversorgung im eigentlichen Sinne? Sollte ihr deshalb nicht die gleiche Sorgfalt, Pflege und Betreuung zugute kommen, wie Ihren anderen Sendeformaten, die qualitativ zum Großteil hinter Alsmanns Format zurückbleiben?

Äußerst verwirrt und hin- und hergetrieben zwischen Ihrer Wirklichkeit und Ihrem Anspruch Hochachtungsvoll Theiresias

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