Frage: Wie viele der Ehen, deren kirchliche Schließung Theiresias musisch betreute, wurden bereits wieder geschieden? Erhebungen konnte Theiresias bis jetzt nicht anstellen, die Frage scheint ihm jedoch berechtigt. Eine Musikerin bzw. ein Musiker muss sich unbedingt fragen, ob das Erzeugnis seines Handwerks denn wirklich erfreut, wie ja bei solchen Anlässen beabsichtigt.
Zumal die musikalische Gestaltung einer kirlichen Trauung wiederum den Kirchenmusiker, vermutlich auch die Kirchenmusikerin, überhaupt nicht erfreut. Deutsche Paare sind was die Musikauswahl bei Ihrer Trauung angeht stereotyp fixiert. Wenn es ganz schlimm kommt, sind beide Hochzeitsmärsche (Wagner und Mendelssohn) zu spielen. Gesungen werden in der Regel folgende Lieder: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, Großer Klotz wir hobeln Dich, Herr Deine Liebe ist wie Gras und Mäusespeck und Danke für diesen guten Morgen (in diversen Umdichtungen, die dann schonmal bis zu sieben Strophen umfassen). Lieder, die nicht generell schrecklich oder schön sind, deren Text aber immerhin etwas schönes freudiges beinhaltet, so dass die Melodien recht schmissig dahinzuspielen sind. Es ist ihnen durchaus nicht abzusprechen, dass sie sämtlichst die Qualitäten gut gearbeiteter Gassenhauer aufweisen. Dies wissend, hat die geneigte Kirchenmusikerin bzw. der geneigte Kirchenmusiker den status quo zu akzeptieren.
Nun erfreuen sich aber seit gefühlten Ewigkeiten auch die Gesänge der Bruderschaft in Taizé ungebremster Beliebtheit. Einfach gehaltene 4stimmige Gesänge, deren Harmonik mal abgesehen von einigen effektvollen Doppeldominanten gepaart mit so manchen Vorhalten und gewürzt mit schwülstigen Quartsechstakkorden grundständige Kadenzmuster nicht überwinden. Viele dieser Gesänge wirken meditativ bis einschläfernd (sicherlich eine Geschmacksfrage), was dadurch bestärkt wird, dass sie so lange zu wiederholen sind, bis sie sich den Singenden in die Synapsen eingebrannt haben. Doch auch diesen Gesängen will Theiresias ihren effektvolle Schnulzigkeit zugestehen, ja sie sind dafür sogar zu loben. Die Musiker in Taizé sind gewissermassen the kings of Spiritual Easy Listening in Europe. Nun gehört ja Theiresias zu den RadiohörerInnen, „die Easy Listening nicht auf die leichte Schulter nehmen“. Folglich lauscht er, wann immer möglich, Götz Alsmanns allmontäglicher Radiosendung (20:05 Uhr, WDR 4, Go Götz Go). Somit ist es für ihn natürlich eine Binsenweisheit, dass Moll die besser Easy-Listening-Tonart ist. Überrascht es da, dass etliche der von den Kings of Spiritual Easy Listening verfassten Songs, sich dieses Modus und seiner reichhaltigen Möglichkeiten bedienen? Man sollte es diesen Meistern nicht vorwerfen.
Ist aber nun Moll die geeignete Klangfarbe für eine Kirchliche Trauung? Was bedeutet dies für die Ehe. Langeweile schon vor dem verflixten siebten Jahr? Scheidung durch musisch intendierte Traurigkeit vorausbestimmt?
Verstehen Sie Theiresias nicht falsch: Natürlich darf es auch in einem Traugottesdienst ruhige und meditative Momente geben, die durchaus mit den Gesängen aus Taizé gestaltet werden können.
Solange jedoch die Frage ungeklärt ist, welchen Einfluss die Kirchenmusik auf die Beständigkeit der Ehe hat, rate ich von Taizé am laufenden Meter ab. Es ist nicht auszuschließen, dass diese Art der musikalischen Gestaltung zu nachhaltigen, bleibenden, trennenden und somit teuren Umständen führen kann.
