Archiv für die Kategorie ‘Kurz notiert’
Verfasst von theiresias am 21. Februar 2009

Es wird zu wenig gelacht, insbesondere in sakralen Räumen. Besonders schlimm scheint Theiresias dieser Umstand in Baden zu sein. Was helfen da Choräle wie „Der Gottesdienst soll fröhlich sein.“ Solch Ermahnung stört die/den gemeineN GottesdienstbesucherIn an sich überhaupt nicht, dafür ist die Angelegenheit schließlich zu ernst.
Machen Sie da mal einen Witz über Kirchenlieder („Wie lautet das Lied aller Nassrasierer?“ „Oh Haupt voll Blut und Wunden.“); Sie ernten nur finstere Blicke und Ihre Exkommunikation wird sofort in Angriff genommen.
Man kann daher grandiose innerkirchliche Humor- und Unterhaltungsinitiativen nicht oft genug rühmen und möchte sie so manchem Gesellen gerne verordnen.
Unterhaltung auf höchstem Niveau wird heute Abend erneut in der Stadtkriche Durlach geboten. „Heiter bis rauschend“ wird die Musik auf der 250 Jahre alten Stumm(/Goll)-Orgel vorgetragen. Nach einem Blick in das Programm bekommt Theiresias den Verdacht, dass Bezirkskantor Johannes Blomenkamp in diesem Jahr ein noch gewaltigeres musikalisches Feuerwerk veranstalten möchte als im letzten Jahr.
Unbedingte Hörempfehlung!
21. Februar 2009, 20:00 Uhr, Ev. Stadtkirche Durlach
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Verfasst von theiresias am 13. Februar 2009
Stanislaw Lem gehört seit circa zwei Jahren zu Theiresias Lieblingsautoren. Lems Texte überzeugten den fanatischen Star Trek Fan davon, dass er bis dato eigentlich nur Science-Fiction-Schund konsumiert hatte. Theiresias hält Lems fiktionalisierte (oft parodierende) Wissenschaftsdiskurse für die klügste Belletristik der letzten Jahrzehnte. Morgen um 00.05 Uhr läuft im Deutschlandfunk die bemerkenswerte Hörspielbearbeitung von Lems Test. Zudem eine seltene Ausstrahlung einer Produktion des schweizer Radios.
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Verfasst von theiresias am 3. Januar 2009

Das Jahr begann für Theiresias mit einem visuellen Ereignis der Extraklasse. Er sah erstmalig in seinem Leben lebendige Rehe live und in Farbe vermittels seines Spekuliereisens im Handtaschenformat. Auch wenn er für die Details zum Lexikon greifen muss, erstaunten Theiresias besonders die leichtfüßigen, grazilen und weiten Sätze, mit denen diese putzigen Tierchen durch die Wiesen huschen.
Natürlich griff Theiresias auch zur Digiknipse, um seinen geneigten LeserInnen die Tierchen zu zeigen. Allerdings dürften Sie, werte LeserInnen, auf der Fotographie nicht mehr erkennen als der schwachsichtige Seher in der Realität.
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Verfasst von theiresias am 9. November 2008
Eine Live-Reportage aus dem ZKM-Foyer mit Extremverspätung publiziert

Das ZKM verwandelt sich in diesem Moment in einen Hexenkessel, in dem es dröhnt bzw. scheppert und das Ganze mit Nachhall. Ursächlich verantwortlich für dieses Spektakel ist ein Schlagzeug-Duo bestehend aus Markus Hauke und Ottmar Köhler. Die Jungs behauen, beratschen und streicheln ganz in der Nähe des Eingangs im Angesicht der Infotheken ihre Instrumente. Ja sie streicheln und kreisen dabei vor den mannshohen Metallkolossen. Dabei entstehen gar zauberhafte leise Töne, die doch jetzt gerade in ein beißendes und ins Mark gehende Crescendo ausarten. Doch gleich nehmen sie die Intensität wieder zurück. Das ganze hat ein wenig was von Fabrikromantik, die ja hier vollkommen richtig am Platz ist. Immerhin wurde das ZKM in den Hallen einer alten Munitionsfabrik eingerichtet. Und doch fehlt etwas. Alles ist lyrisch und energisch, kräftig und scheppernd. Es folgt ganz und gar klar erkennbaren Strukturen, die nicht nur manchmal wie ein Rhythmus anmuten, sondern auch einer sind. Auch klare Intervalle treten hervor. Hübsch, wenn man auf den Tritonus steht.
Doch was fehlt? Wäre es bei diesen Klängen, die so sehr nach Stahlschmiede und Schwerstverarbeitung klingen nicht schön, wenn wir uns jetzt alle gemeinsam erheben und mal so richtig die Prolls im Positivsten Sinne geben würden. Freunde, lasst uns das Steiger-Lied anstimmen. „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt …“
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Verfasst von theiresias am 5. November 2008
… nicht etwa Barack Obama zur gewonnen Präsidentschaftswahl. Nein, ganz ehrlich, ich hatte ja gehofft, diese Obamanie sei so ein Wahlkampfding gewesen. Aber was da heute morgen aus dem Radio strömte, war eigentlich schier unerträglich, schleimig, gefühlsduselig, zum Widerkäuen. „Das ist ein Amerika, das wir bis jetzt nicht gesehen haben“, meinte beispielsweise Rainer Bütikofer im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Da glotzte ich dann doch etwas blöd (was ja nicht schlimm ist, wenn man allein lebt), denn bis jetzt hat man von Barack Obama hier zu Lande doch nur Wahlkampf gesehen. Und das sich an Amerika, also allen Amerikanern, jetzt quasi über Nacht was geändert haben soll, das will man den Amerikanern nun auch irgendwie nicht wünschen.
Aber zurück zu meiner Gratulation: Ich gratuliere natürlich Krokowski zur gewonnenen Wette. Werde mich direkt dem Erlernen des vereinbarten Textes hingeben. Nachdem ich Obamas Siegesrede in Ausschnitten gehört habe, Frage ich mich, wie sich die Verse vorgetragen mit Obama-Habitus machen würden?
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Verfasst von theiresias am 24. Oktober 2008
… dass gewettet werden muss. Diese textliche Verunglimpfung ist so bekloppt, dass ich mich nicht trauen würde, sie drüben im Gelegenheitsgedicht zu bringen. Aber hier, in diesem kreativen Niemandsland erlaube ich mir derlei Goldene-Hochzeits-Verschen ohne rot zu werden.
Außerdem stimmen sie ja. Denn zum wiederholten Male erliege ich meiner Wettsucht und nachdem Krokowskis und meine letzte Wette doch ein wenig daneben ging und wir beide unbefriedigt vondannen zogen, haben wir uns diesmal einen eindeutigeren Wettgegenstand ausgesucht: das Ergebnis der amerikanischen Präsidentschaftswahlen.
Krokowski wettet, Obama gewinnt. Theiresias wettet, McDingsbums gewinnt. Beachtet man alle Prognosen sorgfältig, ist natürlich jedem klar, dass Theiresias diese Wette haushoch gewinnen wird. Viele werden Theiresias jetzt schelten, wie er auf so einen alten, dementen irrationalen und gefährlichen Mann setzen kann. Was die Amerikaner seit Jahren können, kann Theiresias selbstverständlich auch.
Krokowski wird, nachdem sie diese Wette erneut verloren hat, den Lehrer-Lämpel-Streich auswendig lernen und bei unserem nächsten Treffen zum Besten geben. Damit geht für Theiresias ein Kindheitstraum in Erfüllung: seine eigene Vorlesekraft. Solche Vorzüge genossen immer nur die Blinden, die vortäuschten, keinen Computer bedienen zu können. Also ich freu’ mich jetzt schon.
Eines noch: Meine lieben amerikanischen Freunde, ich will Euch ja nicht beeinflussen, wen Ihr wählen sollt, aber macht es bitte diesmal richtig und eindeutig. Nicht dass mir wieder irgendwer ankommt, man müsse da nochmal nachzählen.
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Verfasst von theiresias am 17. Oktober 2008
Nachdem ich für das Erntedankfest vegetarische Musik fand und diese, am 05. Oktober 2008 aufführte, frage ich mich, derweil ich das Mutopiaproject durchstöbere, ob ich jetzt auch Musik zur Finanzkrise bingen sollte. Hat die Kirche da nicht eine moralisch/ethische Aufgabe? Gilt diese auch für den Organisten/Pianisten einer Gemeinde? Ein Stück habe ich schon gefunden: den Wall Street Rag von Scott Joplin.
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Verfasst von theiresias am 16. Oktober 2008
Hermann Josef Tennhagen, Chefredakteur der Zeitschrift Finanz-Test, ist mit der Berichterstattung zur Finanzkrise höchst unzufrieden und rügt folglich den Blätterwald und die Mattscheibengesichter. Geradezu erhellend mutet es an, wenn er in der aktuellen Ausgabe des Radioeins-Medienmagazins (Downloadlink) erklärt, wie es denn richtig geht. Ob man mit seinen Lösungen tatsächlich einen journalistischen Lösungsweg pflastern kann, oder ob die Metaphorik vielleicht doch etwas schief läuft, davon mag man sich selbst ein Bild machen. Zur Reflexion taugt das sorgfältige durch Jörg Wagner geführte Interview allemal.
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Verfasst von theiresias am 14. Oktober 2008
Die Auszeichnung für vergangenen Freitag geht an den Sekretär der Schwedischen Akademie Horace Engdahl.
Die Akademie vermutet nämlich undichte Stellen in den eigenen Reihen, da einen Tag vor Bekanntgabe des diesjährigen Literaturnobelpreisträgers Jean-Marie Gustave Le Clézio bei der britischen Wettbude Ladbrokes die Wetten auf dessen Namen derart ins Unermessliche stiegen, dass die Wettbude die Wette aussetzte. Egdahl wollte wohl komisch sein, als er in einer schwedischen Tageszeitung folgenden Satz von sich gab:
„Inkontinenz in unseren eigenen Reihen wäre ungewöhnlich.“
Quelle: Der Standard vom 10. Oktober 2008, zum Artikel
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Verfasst von theiresias am 11. Oktober 2008
Manchmal sind Softwareupgrades eine lästige Angelgenheit. Erschwerend kommt hinzu, dass Theiresias trotz des Betriebs eines Propaganda-Blogs immer noch mit einem Betriebssystem von vorgestern arbeitet (Windows XP SP 3) und dementsprechend auch einen uralten Screenreader einsetzt (Blindows 3.3). Daher ärgerte er sich auch, dass diese unheilvolle Software-Kombination die Benutzung des Browsers Opera 9.5 verhinderte. Mit Opera 9.5 hätte Theiresias sich blind durchs Web bewegen müssen, da kein Textcursor (weder in Adressleiste noch Eingabefeldern) verfolgt wurde. Umso mehr freut es Theiresias, dass dies mit Opera 9.6 nun wieder möglich zu sein scheint. Accesabilitymäßig ist also alles wieder wie damals. Damit ist Opera für den blinden Webseher wieder die Nr 1.
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