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die dinge mit den augen des blinden sehers

Archiv für die Kategorie ‘Kapitalistische Aktivitäten’

Handbuch

Geschrieben von theiresias - 8. Juni 2011

Theiresias ist old school. Er gehört zu der Sorte Mensch, die beharrlich dem Irrglauben unterliegen, Handbücher seien zum Lesen geschrieben. Das Digital-Piano, welches er im Zuge seiner Nebenbeschäftigung regelmäßig betastet, kann man selbstverständlich auch an eine Verstärkeranlage anschließen. Folglich las der blinde Seher im beiliegenden Handbuch wie dies gehe und da stand:

Die Einstellung [MASTER VOLUME] für die Gesamtlautstärke des Instruments hat keinen Einfluss auf den Klang, der an den AUX-OUT-Buchsen ausgegeben wird.

Theiresias war des zufrieden, bedeuteten diese Worte doch, dass das Klavier seinen Klang über die Ausgangsbuchsen mit der für diese Buchsen üblichen Lautstärke ausgibt. Will man es über die Lautsprecher der Verstärkeranlage lauter klingen lassen, ist das am Mischpult zu regeln. Zudem kann man die eingebauten Lautsprecher wahlweise als Monitorboxen benutzen oder ausschalten, indem man den Lautstärkeregler (Master Volume) benutzt. Technik die begeistert.

Handbuch das zum Scheitern verurteilt: In den Morgenstunden des Himmelfahrtstages saß er unter einem Baume und verband die AUX-OUT-Buchsen (6,3 mm Klinke) mit den Eingängen des Mischpults, schaltete die in das Instrument eingebauten Lautsprecher aus, spielte ein par Töne und … tacet. Die unwissenden Umstehenden versuchten zu helfen: Der Lautstärkeregler sei ja ganz unten.
Aber Theiresias klärte sie über die Bedeutungslosigkeit dieser Feststellung auf, schließlich habe er ja das Handbuch gelesen. Als er allerdings in einem Moment der Unachtsamkeit das Instrument verließ, drehte doch jemand am MASTER VOLUME und entlockte so dem Instrument Töne.

Ob dieser bildungsbürgerlichen Niederlage fiel Theiresias dem Händler auf dem Wecker, der ihn mit der heißen Leine des Herstellers abspeiste, wo unser Held schließlich unter geschickter Verwendung der automatischen Wahlwiederholung nach zwei Stunden endlich jemanden erreichte.
Wie denn die Buchse heiße, fragte der unterbezahlte Mitarbeiter des Call-Centers, MAIN-OUT oder AUX-Out? 
AUX-OUT antwortete der Seher seelenruhig.
Das sei das Problem erklärt ihm sein freundliches Gegenüber. Die Lautstärke der MAIN-OUT-Buchsen seien unabhängig vom MASTER-VOLUME, die Lautstärke der AUX-OUT-Buchsen würden vom MASTER-VOLUME beeinflusst. Ob denn das Gerät auch MAIN-OUT-Buchsen habe?
Nein antwortete Theiresias.
Dann sei das ein Schreibfehler, tue ihm leid.

Unseren Helden packte die blinde Wut und er wurde vom puren Aktionismus erfüllt. Er lud sich die aktuelle Version der Bedienungsanleitung aus dem Netz und staunte nicht schlecht als er dort folgendes las:

Die Einstellung [MASTER VOLUME] für die Gesamtlautstärke des Instruments hat Einfluss auf den Klang, der an den AUX-OUT-Buchsen ausgegeben wird.

Folglich wird er sich künftig zu allen Neuerwerbungen die Bedienungsanleitungen aus dem Netz laden. Das gedruckte Wort zählt nichts mehr.

PS: Wäre Theiresias direkt zu Beginn auf die Idee gekommen, ganz bildungsbürgerlich einmal in die englische Version zu schauen, hätte er sich dies alles ersparen können:

The instrument’s [MASTER VOLUME] setting will affect the sound that is output form the AUX-OUT jacks.

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Musik nicht kaufen

Geschrieben von theiresias - 31. Januar 2010

Kürzlich im Multimediadiscounter: Theiresias, der seine Geschenke grundsätzlich auf den letzten Drücker besorgt, versucht energisch innerhalb von zwei Tagen zwei bei einem kleinen Label in geringer Zahl verlegte Alben zu kaufen. Er nennt dem geschulten Fachverkäufer die Titel Nichtarische Arien und Seltsame Liebeslieder und muss beobachten, wie dieser angesichts des ihm unbekannten Interpreten und der gehörten Titel in tippende Bedrängnis gerät. Der beistehende Kollege sekundiert vorgeblich kenntnisreich, indem er sofort ein Label zu nennen weiß und dem Verzweifelten eine Wegbeschreibung durch die EDV der Form “da musst Du da und da kucken” liefert.
Der Deal scheitert auf Grund Zeitmangels seitens Theiresias (siehe oben).

Derweil sich die beiden Spezialisten durch den Datendschungel kämpfen, fällt der getrübte Blick des Sehers auf eine schwarze und eine weiße Box. Beatles steht darauf. Ob es sich dabei um die Neuüberspielung der Alben handle fragt er. “Ja.” Die Neugier erwacht: Worin sich die Boxen denn unterschieden, immerhin gäbe es ja verschiedene Pakete mit teilweise den gleichen Alben. Hier erreichen wir nun das Ende der Fachkudnigkeit. Das wisse er nicht, meint der vorgeblich Fachkundigere. Die seien ihm eh zu teuer. Wenn er sie haben wollte, würde er sie sich irgendwann auf Platte ziehen.

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Rettet die Warenhäuser

Geschrieben von theiresias - 10. Juni 2009

Schließt Ebucht und Azamon die digitalen Türen und kauft lieber teuer bei Karlstadt. Denn was tun ohne Warenhäuser? Außerdem, Euer Mitleid kann sich das demnächst freigesetzte Personal an den Hut schmieren.

Eine andere Frage, werte Leserin, werter Leser: Haben Sie kürzlich einmal versucht, in irgendeiner der blühenden Innenstädte eine Dichtung für ihren Wasserhahn, ein Ausflusssieb, einen Hemdknopf oder ein Bügelbrett zu kaufen? Ist ihnen noch nie während des Frühjahrsputzes der Staubsauger verreckt oder lassen Sie den Dreck einfach liegen, bis sie das Geld an ihren Ebucht-Verkäufer überwiesen haben und dieser geruht, ihnen das superbillige Saugerschnäppchen 3 Tage später auch mal zu schicken? Brauchten Sie noch nie auf den letzten Drücker eine Badehose mit der man sich am Strand auch sehen lassen kann?
Wenn Ihnen diese oder ähnliche Szenarien unbekannt sind, dann können Sie Theiresias nicht verstehen. In Kürze werden die Hertie-Filialen dichtgemacht. Früher hieß Hertie in Minden an der Weser, hier verlebte Theiresias seine Kindheit, mal Karstadt. Die Filiale war jedoch zu klein, also wurde sie – wie viele andere – in Hertie umbenannt, um dann verramscht werden zu können, so dass man nun letztendlich den Laden einstampfen kann. Unvorstellbar, die ganze Jugend des blinden Sehers hätte ohne dieses Warenhaus nicht funktioniert
Nun will Theiresias hier in keine Kaufhausromantik verfallen. Im Gegentum. Er selbst scheut sogar oft den Gang zum Karlsruher Karlstadt, da er sich in dem verwinkelten Gebäude und den unterirdischen Katakomben regelmäßig verirrt und entweder fluchend oder nur unter dem Geleit eines freundlichen ihm bis dato völlig unbekannten Wesens das Tageslicht wieder erblickt. Trotz dieser Widrigkeiten empfindet er es als ein Stück Lebensqualität im Zentrum einer Stadt ein Warenhaus zu haben, durch das er auf dem Nachhauseweg nur mal ein wenig irren muss, um abends wieder Bügeln und am kommenden Morgen wieder anständig duschen zu können. Und deswegen gibt er hier auch gerne mal 2 Euronen mehr für eine CD, 15 Euronen mehr für einen Staubsauger und geschlagene 30 Euronen für eine Badeshorts hin.
Am Freitag wird Theiresias wieder zu Karlstadt laufen und sich neu einkleiden. Er braucht dringend eine neue Krawatte und ein neues Shirt, beides mit Pinguinmotiven bitte.

Schließt Ebucht und Azamon die digitalen Türen und kauft lieber teuer bei Karlstadt. Denn was tun ohne Warenhäuser? Außerdem, Euer Mitleid kann sich das demnächst freigesetzte Personal an den Hut schmieren.

Eine andere Frage, werte Leserin, werter Leser: Haben Sie kürzlich einmal versucht, in irgendeiner der blühenden Innenstädte eine Dichtung für ihren Wasserhahn, ein Ausflusssieb, einen Hemdknopf oder ein Bügelbrett zu kaufen? Ist ihnen noch nie während des Frühjahrsputzes der Staubsauger verreckt oder lassen Sie den Dreck einfach liegen, bis sie das Geld an ihren Ebucht-Verkäufer überwiesen haben und dieser geruht, ihnen das superbillige Saugerschnäppchen 3 Tage später auch mal zu schicken? Brauchten Sie noch nie auf den letzten Drücker eine Badehose mit der man sich am Strand auch sehen lassen kann?

Wenn Ihnen diese oder ähnliche Szenarien unbekannt sind, dann können Sie Theiresias nicht verstehen. In Kürze werden die Hertie-Filialen dichtgemacht. Früher hieß Hertie in Minden an der Weser, hier verlebte Theiresias seine Kindheit, mal Karstadt. Die Filiale war jedoch zu klein, also wurde sie – wie viele andere – in Hertie umbenannt, um dann verramscht werden zu können, so dass man nun letztendlich den Laden einstampfen kann. Unvorstellbar, die ganze Jugend des blinden Sehers hätte ohne dieses Warenhaus nicht funktioniert

Nun will Theiresias hier in keine Kaufhausromantik verfallen. Im Gegentum. Er selbst scheut sogar oft den Gang zum Karlsruher Karlstadt, da er sich in dem verwinkelten Gebäude und den unterirdischen Katakomben regelmäßig verirrt und entweder fluchend oder nur unter dem Geleit eines freundlichen ihm bis dato völlig unbekannten Wesens das Tageslicht wieder erblickt. Trotz dieser Widrigkeiten empfindet er es als ein Stück Lebensqualität im Zentrum einer Stadt ein Warenhaus zu haben, durch das er auf dem Nachhauseweg nur mal ein wenig irren muss, um abends wieder Bügeln und am kommenden Morgen wieder anständig duschen zu können. Und deswegen gibt er hier auch gerne mal 2 Euronen mehr für eine CD, 15 Euronen mehr für einen Staubsauger und geschlagene 30 Euronen für eine Badeshorts hin.

Am Freitag wird Theiresias wieder zu Karlstadt laufen und sich neu einkleiden. Er braucht dringend eine neue Krawatte und ein neues Shirt, beides mit Pinguinmotiven bitte.

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Supermarkt des Grauens

Geschrieben von theiresias - 24. September 2008

Als ökologisch und ökonomisch und überhaupt bewusster Konsument kauft Theiresias nicht nur in einem Supermarkt, sondern nimmt bestimmte Produkte in ganz bestimmten Häusern ab. Äpfel, Kartoffeln, Zwiebeln, Eier Wein und jungen Wein kauft Theiresias derzeit beim Pfälzer seines Vertrauens Nr. 2. Der Pfälzer seines Vertrauens Nr. 1 ist Wirt und Koch der Gaststätte Giebelstuben, in der Theiresias gerne nach getaner Arbeit und einem kleinen Abendspatziergang so gegen 10 auf ein Gläschen neuen Wein oder einen Giebelsalat einkehrt.
Gestern brauchte Theiresias u. a. Cornflakes, Klopapier, Ketchup und Müllbeutel, was ihn dazu bewog, den REWE-Markt an der Neuen Messe in Rheinstetten aufzusuchen. Die Warenkette wird hier bewusst genannt und sehr bald wird sich herausstellen, dass dies keine Werbung wird.
Den Beileidsprügel teilte Theiresias wie immer in der Mitte und hängte ihn lässig über den Griff des Einkaufswagens. Alsdann schob er schwungvoll in die Konsumhalle und bog wie gewohnt rechts ab. Nach einigen Momenten begriff er, dass irgend etwas falsch war. Ihm gegenüber stand eine Schlange von Leuten und als er den Blick scharf nach rechts wandte erspähte das linke Auge das verdutzte Gesicht einer Kassiererin. Offensichtlich hatte man den kompletten Markt umorganisiert.
Theiresias zog rückwärts ab, wendete ob des großen Publikums gekonnt über Backbord und landete nun in der Gemüseabteilung. Also alles wie früher. Ein Trugschluss. Denn was hätte es auch für einen Sinn, einen Supermarkt komplett zu spiegeln, es sei denn irgendwelche hirnverbrannten Feng-Shui-BeraterInnen hätten ihre esoterischen Schmutzfinger im Spiel.
Wo steht das Toastbrot? Wieso liegt das Toilettenpapier vor dem Wein? Warum liegen die Cornflakes und Müsliprodukte in zwei Regalen, die durch einen quer verlaufenden Gang getrennt werden?
Diese Fragen kamen Theiresias nicht leicht ins Hirn. Um sie zu stellen, bedurfte es weitreichender Recherche- und Erkundungstätigkeiten. Erschwert wurde das Ganze dann immer durch dieses unangenehme Supermarkt-Werbegequatsche. Und so fragte sich Theiresias nun auch noch die ganze Zeit, ob die Dame, die da jetzt den REWE-Slogan spricht tatsächlich Kathrin Bauerfeind, Ex-Ehrensenfmoderatorin und ARD-Vertretungsmoderatorin, ist. Irgendwann ging sie mir, wie schon damals bei Ehrensenf, mit ihrem dusseligen Gequatsche auf die Nerven und ich beschloss, sie sei es, nur um ein Feindbild zu haben. Denn den Verantwortlichen für die Neuorganisation des Supermarktes hatte ich schon lauthals des Landes, nein der EU verwiesen. Dies wiederum führte dazu, dass ich mich fragte, was denn nun sei, wenn er gar nicht aus der EU wäre. Und warum überhaupt er? Traute ich Frauen ein solch geplantes Chaos nicht zu? Und ist solch eine Annahme frauenfeindlich oder freundlich. Nachdem ich das Areal ungefähr sieben mal durchkreuzt hatte, begab ich mich laut “Bloß raus hier!” rufend zur Kasse. Nahm noch zur Kenntnis, das die Gefriertruhen jetzt kurz vor der Kasse stehen und zahlte nun noch die mühsam erworbenen Konsumgüter. Und dann auch noch das: Den Platz zum Einpacken haben sie verkleinert, um so einen dusseligen Pfandflaschenautomaten aufzustellen.
Und da kam mir eine Folge des Podcasts Stefans Welt ins Hirn gekrochen in der über einen barrierefreien REWE-Supermarkt berichtet wurde.

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Ich bin so glücklich

Geschrieben von theiresias - 22. November 2007

Gestern hat mir mein Buchdealer die korrekte Version des DUDEN-Korrektors übergeben.

Verpackung des Duden Korrektors für OpenOffice.org

Und dann das:

Fehlermeldung des Korrektors

Tja saubere Programmierleistung. Mal schauen was die Hotline dazu sagt. Heute abend um 18:00 hatten die natürlich schon Feierabend.

PS: Meine Versuche beschränken sich derzeit ausschließlich auf Windows XP.

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