Vertreter-Abwehr
Verfasst von theiresias am 11. April 2008
Seit Jahren bilde ich mich im Bereich Vertreter- und sonstige Türverkäufer-Abwehr autodidaktisch fort. Dabei habe ich mein Augenmerk vor allem auf subtile Methoden gelegt. Präzise Formulierungen, die hängen bleiben, kleine Gesten des Nichtwilkommens. Kürzlich konnte ich die durch Praxis erworbenen Kenntnisse erneut auf die Probe stellen. Bei mir wurde ein Drücker der Firma Arcor vorstellig. Er hatte die Schwelle Haustür bereits überwunden und spazierte munter durchs Treppenhaus.
Er: „Guten Tag, ich bin von der Firma Arcor, wir informieren über unsere günstigen Telefontarife. Sie telefonieren doch bestimmt noch bei der Telekom?“
Optimal wäre jetzt folgende Antwort gewesen: „Nein wir telefonieren mit dem Anbieter XY und zahlen nur 10 € im Monat, ausserdem sind wir 24 Monate an diesen Vertrag gebunden und haben erst vor einem Monat unterschrieben. Selbst wenn wir wollten, könnten wir nicht zu ihnen wechseln, aber wir wollen auch nicht.“
Diesen Spruch hatte ich leider nicht parat, daher notlügte ich mich ein: „Ja ich glaube schon.“
Er: „Sie wissen ja, dass sie da eine Menge Geld sparen können.“
Inzwischen hatte ich mir eine Anfangstaktik zurecht gelegt: „Schon möglich, ich bin aber nicht der Anschlussinhaber, kann Ihnen also nicht weiter helfen.“ (Am Wort Anschlussinhaber hatte er erst mal ein wenig zu knapsen.)
Er: „Ach so, wer ist denn der öh Anschlussinhaber?“
Ich: „Mein Mitbewohner, der momentan einer vernünftigen, geregelten Tätigkeit nachgeht.“
Er: „Dann lasse ich ihnen einmal Info-Material da.“
Ich: „Ach nein, wir sind beide stark sehbehindert, das können wir gar nicht lesen. Perlen vor die Säue, wenn sie verstehen, was ich meine.“
Jetzt war er betroffen, rang nach einer Abschiedsformel, die sich nicht lohnt nieder zu schreiben, und stapfte murrend das Treppenhaus hinunter.