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die dinge mit den augen des blinden sehers

Schundhörspiel

Verfasst von theiresias am 6. April 2008

Dabei ist nicht das Hörspiel Schund, sondern der Gegenstand, den es thematisiert. Ende der 60er Jahre bis in die 80er Jahre waren Autokinos sehr beliebt. Man stellte seinen fahrbaren Untersatz vor einer Leinwand ab, bekam – bei guter technischer Ausstattung – einen kleinen Lautsprecher ins Fahrzeug gereicht und glotzte dann den Film. Oder auch nicht. Glaubt man Zeitzeugen, dann hatten die anwesenden Pärchen oft ganz andere Dinge zu tun. Wirft man einen Blick auf die Inhalte der Filme, glaubt man wiederum den Zeitzeugen. Natürlich sind wir in Zeiten des Privatfernsehens hirnfreie Ware gewohnt, die sogenannten B-Movies dürften aber so manche Doku-Soap toppen. Diesen Blick auf die Inhalte wird das Hörspiel „Walk of fame“, das den Titel eines gleichnamigen B-Movies aufgreift. Natürlich wird der Film nicht noch mal nacherzählt, nein viel besser: Wir sind als Zuhörer beim Making Of dabei. Allerdings kein Making Of im eigentlichen Sinne, denn nach diesem Hörstück dürfte sich der Film nicht mehr verkaufen.

Fakt 1: Die SchauspielerInnen sind dumm.
Fakt 2: Autor, Regisseur und Produzenten glauben sie veranstalten Kunst
Fakt 3: Eine Menge der Darstellerinnen sterben bei den Dreharbeiten, was wiederum dazu führt, dass das Drehbuch ständig umgearbeitet werden muss. Folgerichtig lautet der Hinweis darauf, das eine Szene fertig abgedreht wurde, „gestorben“.
Dem Autor Ulrich Bassenge und dem Regisseur Leonhard Koppelmann gelingt eine fulminante und rasante Mediensatire mit Zwergfellbeanspruchung. Ein Besonderes Schmankerl: Das fertige Hörspiel setzte Koppelmann auf Vorschlag Bassenges Thilo Gosejohann und Jörg Buttgereit vor die laut Aussage Koppelmanns rund zwei Stunden über alles mögliche redeten, woraus der Hörspielregisseur dann einen grandiosen Audiokommentar schnitt.

Prädikat: Besonders hörenswert. Finde nicht nur ich, sondern meinte auch das Publikum, das dem Stück während der ARD Hörspieltage den ARD Online Award verlieh.

Sendetermin: 07: April 2008, 00:05 Uhr
Sender: Deutschlandradio Kultur

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