Große romantische Fantasie und Fuge über „Das schönste Land in Deutschlands Gauen“
Wo auch immer dies liegen mag. Wie angekündigt, reichte ich Wolfgang Seifen das Badener Lied zur Improvisation während seines Konzertes am 08. März in der Stadtkirche Durlach ein. Erst im Zuge dieser Besprechung stellte ich während der Lektüre im Historisch kritischen Liederlexikon fest, dass meine Einreichung keinesfalls korrekt war, denn das Badener Lied ist nicht nur ein Badener Lied. Es ist auch ein Sachsen, Bayern, Pfälzer, Schwaben Lied. Aktuell findet es allerdings nur noch in Baden Verwendung. Was zu bedauern ist, denn der poetisch am schönsten gearbeitet Text ist die sächsische Urversion. Bayern und Baden brachten dann nur noch diverse Verschlimmbesserungen. Denn abartigsten literarischen Hirnerguss leisteten sich 1951 ein oder einige Badener, der oder die sehr wohl wissen, warum sie anonym bleiben. Lieferten sie doch eine reaktionäre, demokratiefeindliche und antisemitische Textvariante ab. „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das Kroch.“ (Bertolt Brecht).
Wie gut, dass angesichts dieses Negativbefundes, das Lied und auch die Melodie eine soweite über die Grenzen der damaligen Kleinstaaten hinweggehende Tradition hat.
Dieser ewig anonymen Melodie setzte Seifen in seinem Konzert mit einer großen Fantasie im romantischen Stil und einer ebenfalls romantischen Fuge ein Denkmal. Spannend und mitreißend, die harmonischen Grenzen des Volksliedsatzes befolgend, doch häufiger sprengend, entrang der „Tastenhengst“ (Heinz Erhard) der gering versammelten Zuhörerschaft ein erstauntes Raunen nach dem anderen. Dabei forderte er die Zuhörer heraus, indem er ihnen das ganze Thema erst mal rund fünf Minuten vorenthielt und immer nur den Liedanfang bearbeitete. Wie eine Erlösung dann das erste Trio mit der Melodie vom Anfang bis zum Schluss. Danach kein Halten mehr: Akustisch, harmonisch, dynamisch, spieltechnisch … trieb der Organist dieses Thema durch alle Stimmen und viele Register in vielfältigen Variationen an die diversen musikalischen Grenzen. Widmete er sich zu beginn der Fantasie ausgiebig der ersten Zeile der Melodie, wurde der Schluss der Melodie in Form des Anfang des Refrains in der Fuge gewürdigt. Allerdings nicht ganz im Original. Aus Dur wurde Moll und das Thema der Fuge war geboren.
Auch wenn die Fantasie einen Großteil des Konzertes beanspruchte, erklangen natürlich noch andere Stile und Themen. Seifen eröffnete seine Darbietungen mit einer barocken französischen Suite über den Choral Wir danken dir Herr Jesu Christ und bearbeitete hiernach verschiedene Choräle in filigranen und graziösen Barockimprovisationen.
Zum Schluss intonierte er eine große romantische Orgelsymphonie französischer Bauart über Themen wie Bachs Toccata und Fuge d-Moll, Mozarts Kleine Nachtmusik und Der Mond ist aufgegangen. Dieses Thema griff er auch in seiner Zugabe auf, umspielte es mit zwei kunstvoll gearbeiteten Stimmen, behielt diesen Stil bei und entließ sein begeistertes Publikum mit dem Abendlied Ade nun zur guten Nacht.
21. März 2008 um 21:57
Hallo Theiresias,
die folgenden Württemberger-Strophen gefallen mir sehr gut. Ein wenig (Selbst-)Ironie tut halt auch gut:
In Maxau ist der Rhein noch blau,
in Mannheim wird er grau -
da fließt der Neckar in den Rhein,
die alte Schwabensau!
Bei Sipplingen ist Pumpstation,
da pumpet’s Wasser ‘naus,
doch vorher brunsle Badner nei,
und Schwabe saufet’s aus.
Ein Badner möcht ich auch gern sein,
denkt sich so mancher Schwob -
und weint dann leis in sich hinein.
Er wird es nie - gottlob.
Die Donau, Deutschland längster Strom,
bei uns ist sie noch rein,
bei Immendingen sie versinkt,
sie möcht halt Badisch sein.