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die dinge mit den augen des blinden sehers

Drauflos gespielt

Verfasst von theiresias am 6. März 2008

Wolfgang Seifen improvisiert an der Stumm/Goll-Orgel der Stadtkirche Durlach

Die Improvisation ist eine musikalische Tugend. Doch wer ist heute schon tugendhaft? Zumal das freie Fantasieren über ein vorgegebenes Thema nicht gerade trivial ist. Je sicherer eine Musikerin bzw. ein Musiker das Instrument beherrscht, je vertrauter sie oder er mit Stilen und Formen der Musik ist, desto erfolgversprechender ist das ganze Unternehmen.
Doch technische und stilistische Brillanz sind keine Garanten für meisterhafte Improvisation. Das Ausschließliche Spiel notierter Musik kann letztendlich sogar dazu führen, dass Musikerinnen und Musiker fantasielos werden. Musikpedaginnen und -pedagogen beklagen daher auch die Herangehensweise des heutigen Instrumentalunterrichts. Hier gewöhne man vor allem Kindern etwas ab, worüber sie eigentlich verfügen: Die Gabe der Fantasie und des „Drauflosspielens“. Später müsse der erwachsene diese Fertigkeit mühsam wiedererwerben.

Seit jeher ist die Orgel ein Instrument, das zum Improvisieren gerade zu einläd. Dank der vielen Klangfarben und großer dynamischer Spektren – vor allem der mittleren bis großen Instrumente – sind dem Musiker hier sehr weite Grenzen gesetzt. Dazu muss die Organistin bzw. der Organist sehr genau wissen, was für ein Instrument sie oder er unter den Fingern hat.

Wolfgang Seifen an der Schuke-Orgel des Gewandhauses Leipzig

Davon kann man bei Wolfgang Seifen sicherlich ausgehen. Er ist nicht nur langjähriger Organist, der weltweit konzertierte, zudem unterrichtet er die Kunst der Improvisation auch noch an der Universität der Künste in Berlin. Über sein weiteres Schaffen informiere sich die geneigte Leserin im Lebenslauf des Organ-Allrounders.
Am kommenden Samstag hat Seifen die Stumm/Goll-Orgel der Durlacher Stadtkirche unter den Fingern, ein für seine Verhältnisse sicherlich sehr kleines Instrument, aber weiterhin mein Lieblingsinstrument im Kirchenkreis Karlsruhe. Wie bei solchen Konzerten üblich, liegt die Programmgestaltung beim Publikum. Alle Besucherinnen und Besucher können vor dem Konzert Vorschläge einreichen, mit denen sich Seifen improvisatorisch auseinandersetzen soll.

Hier mein Vorschlag: Das „Bad’ner-Lied“, Stil: Marsch und Fuge

Konzerttermin: Samstag, 08. März um 20:00 Uhr
Ort: Stadtkirche Durlach

 

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