Schuster bleib bei Deinen Leisten! Das hätte man den Wise Guys am Liebsten zugerufen, als man an Fronleichnam der ersten Nummer ihres Konzertes Wise Guys sinfonisch lauschte, das die fünfte Welle des Westdeutschen Rundfunks in der Sendereihe Streng öffentlich in Auszügen ausstrahlte. Diese erste Nummer ist, um es zu überspitzen, Männerchor mit Streichersoße. Allerdings greift dieser erste Eindruck zu kurz und der Schreiber täte sehr vielen, wenn auch nicht allen, Beteiligten unrecht. Übrigens können Sie, geneigteR LeserIn, sich selbst einen Eindruck verschaffen, und zwar wenn am 11. Juli 2009 um 20:05 Uhr auf WDR 4 das gesamte Konzert vom 21. März 2009 ausgestrahlt wird.
Zum Konzept des Konzerts: Einige der Wise Guys-Songs wurden für sinfonisches Orchester umarrangiert. Also überspringen wir in dieser kleinen Vorausschau einmal die Nummern, die das Vokalensemble ohne diesen Klangapparat bestritt.
Nach dem dürftigen Einstieg braucht es leider eine Weile, bis die gemeinsam vorgetragenen Stücke wirklich vom Hocker reißen (die Zeitangaben beziehen sich auf die an Fronleichnam ausgestrahlte Sendung). So liefert die Formation zunächst einmal eine Version des Alla Turcas aus Mozarts Klaviersonate in A-Dur KV 331 ab, die so stumpfsinnig und effekthascherisch ist, dass sie – zumindest im Radio – zur Peinlichkeit geriert. Hinter der Stimmakrobatik, die das Vokalensemble mit ihrer Adaption des Root Beer Rags von Billy Joel einst lieferte, bleibt dieses dahingeschmierte Arrangement bei weitem zurück.
Zum Misserfolg der Konzerteröffnung trägt aber auch die Aufnahmeleitung und die Tontechnik dieser Veranstaltung bei. Man muss mutmaßen, dass die Erwähnten vorher kaum ein Album der Gruppe gehört haben. Dann hätten sie nämlich festgestellt, dass ihre Kunst auf das Äußerste gefragt gewesen wäre.
Den Charme der Wise Guys-Alben macht meiner Meinung nach der betonte Einsatz der digitalen Klangmanipulation aus. Hier wird bei der Abmischung und beim Mastering mindestens genau so genial Musik gemacht, wie bei der Aufnahme des Rohmaterials.
Das gelingt grob auch in diesem Live-Mitschnitt, aber nur bei den Nummern ohne Orchester. Musizieren beide Klangkörper gemeinsam, muss man bestimmte Teile des Gesangs regelrecht suchen. Geschickte Finger an den Gainreglern und geringfügige Manipulationen im Frequenzbereich – insbesondere bei den tiefen Stimmen – hätten hier Wunder wirken können.
Um so mehr ist es anzuerkennen, dass alle beteiligten MusikerInnen diese widrigen äußeren Umstände musizierend überwinden und mit dem Lied König fit erstmalig überzeugen können.
Ein wahrhafter Höhepunkt des Abends ist sicherlich ein Potpurri aus angeblich 20 Hts des Vokalensembles, welches allein durch das Rundfunkorchester vorgetragen wird. Lieder ohne Worte im Schnelldurchlauf, die obwohl ihres Textes beraubt, den Kenner immer wieder schmunzeln lassen, da ihr jeweiliger Charakter durchaus erhalten bleibt. Am plakativsten offenbart sich dies in dem frechen Bläsersatz zum kabarettistischen Gassenhauer Kinder (Album Klartext). Diese Vorlage verwandeln dann beide Klangkörper gemeinsam gewissermaßen zum Finale, indem das Potpurri in den Song Jetzt ist Sommer (Album Ganz weit vorne) mündet.
Trotz einiger Startschwierigkeiten auf jeden Fall ein zu empfehlender Konzertmitschnitt.
Wise Guys – sinfonisch
Wise Guys und Rundfunkorchester des Westdeutschen Rundfunks unter Heribert Feckler
MItschnitt vom 21. März 2009
Samstag, 11. Juli 2009, 20:05 Uhr, WDR 4






Unter diesem Motto erklingt neunmal in diesem Krichenjahr eine Solo-Kantate aus dem Zyklus Der Harmonische Gottesdienst von Georg Philipp Telemann; jeweils in einer anderen Gemeinde des Kirchenbezirks. Wir KirchenmusikerInnen werden dabei tatkräftig von SchülerInnen des Badischen Konservatoriums unterstützt, welche die Instrumentalstimmen übernehmen.